29. Januar 2012
Beitrag 889

Fetzenliteratur. Über die Sprache im Internet.

Welche Auswirkungen haben neue Medien unser Verhalten? Wir lieben und hassen uns wie eh und je, und Kriege wird es weiterhin geben. Aber etwas ändert sich: Wenn wir uns im Grunde nichts zu sagen haben, finden sich dafür andere Worte, und die Konversation folgt einer eigenen Grammatik.

Letztens, im Standard, ein Artikel zu dem Themenkreis…

“Fetzenliteratur” bedroht Sprachkompetenz

Experte Zehetmair übt Kritik: “Man nimmt sich kaum noch die Zeit, ganze Sätze zu formulieren”

München — “Fetzenliteratur” auf Twitter oder in SMS bedroht nach Ansicht des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair die Sprachkompetenz junger Leute. “Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden. Da müssen Sie sich nur die Twitter-Literatur ansehen, in der es keine ganzen Sätze mehr gibt”, bemängelte er. “Fetzenliteratur” nennt das Zehetmair.

Man sei weltweit in zivilisatorischen Gesellschaften auf dem gefährlichen Weg, dass immer weniger gelesen, immer mehr Fetzenliteratur gepflegt, immer weniger geschrieben werde, sagte Zehetmair. “Eine junge Generation schreibt heute — um eine Liebe zum Ausdruck zu bringen — keine Briefe mehr, sondern ‘HDL’ — ‘Hab Dich lieb.’”

“Alles mit Ausrufezeichen”

Auch die Schule komme ihrem Bildungsauftrag in dem Bereich nur begrenzt nach. “Die Lehrer sind auch Kinder unserer Zeit und — bei allem guten Bemühen — gibt es auch bei ihnen oft diese Fetzenliteratur: super, geil und alles mit Ausrufezeichen.” Hochschullehrer beklagten immer wieder die mangelhafte sprachliche Qualität von Diplom-, Magister- oder Bachelorarbeiten. “Man nimmt sich kaum noch die Zeit, ganze Sätze zu formulieren.” Nach Angaben von Linguisten müssten rund 20 Prozent der 15-Jährigen heute als Analphabeten bezeichnet werden, sagte Zehetmair.

Hohe Zahl an Anglizismen

Eine Schwierigkeit sei auch die steigende Zahl an Anglizismen, die die deutsche Sprache überflute. Sprache sei in vielen Bereichen ausschließlich verzweckt worden und sei überbordet mit Fremdeinflüssen. “Ich bin nicht gegen Anglizismen im Allgemeinen, aber man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen.” Das fehlende Hinterfragen sei aber “symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht mehr hinter die Dinge blickt und die Hintergründe nicht mehr beleuchtet”, sagte Zehetmair und warnte: “Eine solche Gesellschaft ist anfällig für Manipulation.”

Quelle: Der Standard, 02. Jänner 2012

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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28. Januar 2012
Beitrag 888

Würmer

Der vierte, nein, fünfte gekühlte Schnaps heute beim nächtlichen Überarbeiten, und tief dringe ich in meinen Roman und wühle und wälze mich — und soeben presse ich mich an folgende Stelle:

Viola. Dein Leib unter dem weißen Tuch, du hebst und senkst deine Brust. Und dann dieses Zittern des gestrafften weißen Stoffs über deinem Gesicht, der sich über der Nase aufbläht. Dein immerwährender Atem ist das nicht, sondern es ist das Gewürm unter deinem Leichentuch, ineinander verschlungen und auf der Suche nach Fleisch, aber das einzige Fleisch ist ebenso Gewürm, das sich wild in sich selbst verknotet, in sich hineinkriecht, früher gemästet mit deinem faulem Leib aber nun, wo aller Kadaver aufgefressen ist, wo sogar deine Knochen verbrannt sind, da bleibt dem Gewürm nichts als anderes weiches Gewürm. So seid ihr Friedstätter, verknotet und durchdrungen ineinander, und ihr sagt: Ich trage den Leib Violas in mir, denn ich fresse den, der einen gefressen hat, der von Viola Leib gefressen hat. Und wehe, ein Mensch kommt und lüftet das Tuch! Dem nagt ihr die Fingerkuppen auf, sobald er das Tuch berührt hat, und unter seine Fingernägel fresst ihr feine Röhren und weiter die Haut entlang über Arme und Schultern und den Hals innerhalb der Wangen weiter bis in die Augen. Endlich die Augen! Ihr saugt dem Menschen die Glaskörper aus, mit denen er Viola gesehen hat. Und ist dieser Mensch eine Frau, dann geht es weiter, hinab in ihre Brust, hinab in ihren Unterleib, und sitzt dort das Ungeborene, dann drückt ihr das Kind aus dem Leib und klebt eure weißlichen Eier in den Schleim der Nachgeburt und ruft: Dies war ein fremder Körper! Wir mussten ihn verschlingen, damit Viola rein bleibt!

PS: Obiges Grabmal, fotografiert von meiner Tante in Bourg en Bresse, Burgund, hat mich zum Grabmal Violas inspiriert. Danke!

Themengebiet Romantagebuch
Schlagwort

Eva Jancak meint: ein starkes Stück

JuSophie meint: Darf ichs sagen? Nein ich frag nicht:) Lieber Thomas: Gewürm das kriecht unter einem Tuch ist klitzeklein, bringt also das Tuch nicht ins Zittern, vielleicht "eine kaum merkliche Bewegung am Tuch" oder oder. Ausserdem ist der Satz: Dein immerwährender Atem... viiiel zu lang.Da bleibt dem Gewürm....beginnt der zweite Hauptsatz fürs leichtere Lesen, für ein Herausheben der Stelle: Da bleibt dem Gewürm nichts anderes als Gewürm.Herrlicher paradoxer Satz der aufmerken lässt. Und: verknotet ineiner können nur Dinge sein die anders materialisiert sind als verbranntes Fleisch, das ist des Guten zuviel um Leser an ein Bild zu "knüpfen" ;-) das hängt sich irgendwie auf:)durchdrungen ineinander für die Friedstätter würde reichen...und noch eine "Übertreibung" die weggelassen werden könnte: "sobald er das Tuch berührt"... das klingt magisch, märchenhaft und passt wenig in den realistisch-surrealistisch Swagt. Mit besten Grüßen eine kritisch-wohlwollende Leserin;-)

JuSophie meint: sorry! Korrektur: Swagt= Text

27. Januar 2012
Beitrag 887

Die Nacht ist die Braut des Literaten

Themengebiet Romantagebuch
Schlagwort

andrea meint: DER kommentar ist männlich. es muss also richtig heißen: schreib EINEN kommentar. das fällt mir schon lang auf. http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=inflection&input=Kommentar&features=%28Cat+N%29%28Gender+M%29&country=D&lookup=caseInSensitive

Thomas Wollinger meint: Oh, danke!

Eva Jancak meint: wenn er Schlafstörungen hat

Thomas Wollinger meint: ... oder wenn ihn das Schreiben weiterdrängt :-)

Eva Jancak meint: natürlich, manchmal kenne ich das auch und früher bin ich gelegentlich um halb vier aufgestanden, in meine Schreibewohnung, die es nicht mehr gibt und habe weitergeschrieben oder meine Texte an Ausschreibungen und Verlage geschickt

26. Januar 2012
Beitrag 886

Schreiben ist …

… immer einen Sinn im Leben zu haben — denn alles Leben ist (zumindest) Recherche für den Roman.

Themengebiet Schreiben ist ...
Schlagwort

Eva Jancak meint: Das ist wahr und wahrscheinlich meine Motivation für das Schreiben, dem Leben einen Sinn geben, etwas festhalten und hinterlassen

Eva Jancak meint: und wenn es auch nur für den Mistkübel wäre, war es ja trotzdem da

25. Januar 2012
Beitrag 885

Die Verantwortung des Autors

Ein guter Autor ist auch ein Wahrer des Menschseins.

Beispiel: Stefan Zweig.

Der Nationalsozialmus
hat sich vorsichtig,
in kleinen Dosen
durchgesetzt — man hat
immer ein bisschen
gewartet, bis das
Gewissen der Welt die
nächste Dosis vertrug.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
Schlagwort

Josef meint: Nachdem alles, was Menschen hervorbringen und dazu gottlob (oderwenauchimmer) auch das Schreiben gehört, geschieht alles im Rahmen des "Menschseins". Da ist der Nationalsozialismus leider keine Außnahme. Über die Frage, was zu bewahren ist, im Sinne von "nicht vergessen", gilt es unaufhörlich nachzudenken und niederzuschreiben.

24. Januar 2012
Beitrag 884

Schreiben ist …

… traurig zu sein und sich darüber zu freuen, weil somit endlich die geeignete Schreibhaltung für die traurige Szene da ist, vor der man sich zu lange gedrückt hat.

Themengebiet Schreiben ist ...
Schlagwort ,

Eva Jancak meint: Das ist interessant, da habe ich vor vielen Jahren, es war, glaube ich, in den Siebzigerjahren, gleich nach meiner Matura, im Radio gehört, daß Adalbert Stifter dann wenn er besonders depressiv war, die fröhlichsten Stellen schrieb und umgekehrt, interessant deshalb weil ich ja, wenn ich gerade in der Depression bin, die wahrscheinlich nicht beschreiben kann, sondern das erst ein bißchen später und dann natürlich zur Krisenbewältigung betreibe, wenn das, was dann herauskommt, besonders fröhlich ist, ist die Krisenbewältigung gelungen, ist es aber authentisch oder täuscht es nicht vielleicht doch die Leser? Darüber könnte man diskutieren, es ist aber wahrscheinlich so in der Literatur, daß nichts eins zu eins zu verstehen ist, auch wenn ich dreihundert Seiten, über das Burgtheater schimpfe und der letzte Satz dann in etwa lautet "Und am Abend war ich im Burgtheater und die Vorstellung war fürchterlich" (kein Originalzitat, ich habe das Buch jetzt nicht da, aber als ich das in Hütteldorf, als ich auf den Zug nach St. Pölten mit meiner kleinen Tochter wartete, gelesen habe, habe ich schallend gelacht und das passiert mir eher selten)

23. Januar 2012
Beitrag 883

Überarbeiten mit der Axt

Ein letztes Durchforsten des Romans.

Absätze werden abgesägt, weggehackt, gehäckselt. Wortgestrüpp verbrannt. Szenen fallen samt den Dialogen, die sich um sie ranken.

Der Roman ist groß genug, der hält das aus.

Themengebiet Romantagebuch
Schlagwort , ,

Eva Jancak meint: Viel Erfolg, bin wie schon geschrieben sehr gespannt auf das neue Werk

22. Januar 2012
Beitrag 882

Schreiben ist …

… verliebt zu sein und sich zu überlegen, welche Teile der Liebeskommunikation im Roman verwertbar wären.

Themengebiet Schreiben ist ...
Schlagwort ,

Eva Jancak meint: Da verweise ich wieder auf das Schnitzlerstück, wo zwei Leute nach dem Ende ihrer Beziehung jeweils einen Roman darüber schreiben und am Schluß mit dem Erkennen und der Autobiografie große Schwierigkeiten haben. Damals gab es ja noch Duelle, heute wären es wahrscheinlich die Klagen oder der ganz private Psychoterror, aber spannend einen Roman zu schreiben, der das Ganze in die Jetztzeit verlegt, ja ja, ich bin schon wieder mit der Rohfassung fertig....

21. Januar 2012
Beitrag 881

Yipppiiieee! (Was zum Mitfreuen)

Ein Autor, der mir zugleich Freund und wichtiger Kritiker ist, der zu jenen wenigen gehört, der meinen Roman im Februar zum Feedbacken bekommen wird, hat nun für seinen Roman die Zusage eines sehr renommierten Verlags bekommen.

Übrigens: Es handelt sich um sein Romandebüt, und er hat es bei diesem Verlag unverlangt eingesendet.

(Ich darf nichts Konkretes erzählen, darum gibt’s keine weiteren Details.)

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
Schlagwort

JuSophie meint: GRATULATION dem (noch) unbekannten Autor- und zur Teamarbeit! Ich war gestern auf einer Finissage mit Lesung einer jungen Autorin, die auch demnächst ihr Buch herausbringt und bereits zwei weitere recht konkrete Entwürfe (hach welch Ohrenschmaus!!) ins Publikum reichte.Sie erbat konkret Rückmeldung die sie auch annehmen konnte und gab freundlich Auskunft w i e sie an "ihren" Verlag gekommen ist - d a s nennt sich literarisch Weiterkommen ohne Futterneid:) Freue mich mit diesem Beitrag von dir, Thomas,mit. Yipppiiieee!

Eva Jancak meint: Das ist schön, warten wir also auf den Roman

Petra meint: Das ist so motivierend, wenn man mitbekommt, dass es funktioniert!!! Hab gleich eine extra Schreibschicht eingelgt- Ein Beweis auch, wie Dein Blog wirkt.

Bella meint: freude kommt auf! congrats

Christina Wenger meint: wunderbar. ich erinnere mich an ein Interview, in dem ein Lektor eines grossen Verlages sagte, in Wirklichkeit könne es sich kein Verlag leisten "unverlangt eingelangte Manuskripte" nicht zu lesen, denn es kann "das eine Buch" dabei sein.

20. Januar 2012
Beitrag 880

Zusammengesetzte Worte

Gesehen in Jörg Schorns Wohnzimmer.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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JuSophie meint: SCHORN-LADEN-FEGER :) dennoch- ein bisserl platt kommen mir die dargestellten Metaphern...wenn ich da an seine reichhaltige !!!(Material-)Sammlung im Videoclip denke....;-))

Eva Jancak meint: Was wird das wohl für eine Geschichte oder vielleicht ein historischer Roman?

19. Januar 2012
Beitrag 879

Schreiben ist …

… still sein und wahrnehmen, was sich rundherum tut.

Themengebiet Schreiben ist ...
Schlagwort

Josef meint: Schreiben ist... ...in sich versinken, um aus sich heraus zu kommen.

JuSophie meint: Josef ist beim Schreiben in Bewegung:)


Beitrag 878

Nächstes Romanprojekt. Überlegungen 2.

Kann nicht aufhören, ans nächste Romanprojekt zu denken… mögliche Bestandteile:

1) Blut. Ja, viel Blut! Macht. Morde, um Macht zu erlangen. — Auch wenn ich weiß, dass das Blut ausdünnt, die Machtgier der Kinderliebe und so weiter weicht, von Fassung zu Fassung … aber ein paar Morde sind bislang stets übrig geblieben, and you should keep good habits.

2) Friedrich II. Faszinierend für mich, dass er in jungen Jahren vom Vater gebrochen wurde und dann ein noch erfolgreicherer/grausamerer König als sein Vater wurde.

3) Dschingis Khan. Er ruft mir zu: Mach was aus mir! Ich habe alles in meinem Leben gehabt, was du suchst!

Okay. Hm. Und was für eine Umgebung? Gegenwart? Irgendwas Historisches? Wienbezug? Die 1. Türkenbelagerung nachstellen und darin Charaktere wie Dschingis Khan oder Friedrich II hineinzubringen? Wäre cool. Die 1. Türkenbelagerung hätte den Reiz, dass das Mysterium des plötzlichen Türkenabzugs ausschlachtenswert ist. Wäre cool aber mühsam. Gegenwart ist mir lieber.

Ich habe dann noch diesen einen Roman in der Schublade. Den 2. Teil der Archäologin. Mit einer Liebesgeschichte, einem Mord und viel Sex. Den könnte ich als Rohmaterial hernehmen. Der ist zwar in sich abgeschlossen, hat aber erst 260 Buchseiten, da verträgt er noch einiges.

Themengebiet Romantagebuch
Schlagwort

Anni Bürkl meint: Mach es wie in der Archäologin - da waren doch auch so viele ... Schichten. ;-)

Eva Jancak meint: das sind alles sehr interessante Themen, aber irgendwie ist mir zuviel Mord dabei

JuSophie meint: sex and crime - eine gute (Verkaufs-)Mischung;-)

18. Januar 2012
Beitrag 877

Das Lächeln der Plakate

Wenn ich so ein Lächeln ansehe, etwas länger nur als üblich, etwa, weil ich auf die U-Bahn warte, dann wird es zu etwas anderem.

Themengebiet Foto

JuSophie meint: :) Die Phantasie ist die beste Waffe der Frau. (Sophia Loren)

JuSophie meint: korrigiere: Die Phantasie des Mannes ist die beste Waffe der Frau (Sophia Loren). Und? Was ist es geworden? Ein neuer Roman??? oder ein date;-)

Eva Jancak meint: Ja das ist eine gute Übung, aufmerksam durch die Gegend gehen, ich habe auch schon viel dabei gefunden

JuSophie meint: oh I see- two days later: dates mit romanentwürfen, auch eine möglichkeit, have a good time with them!

17. Januar 2012
Beitrag 876

Boris Vian. Ein Autor beginnt das Tagebuchschreiben.

Ich schreibe so viel Inhaltsloses, nur um zu überleben, dass mich schon die Tätigkeit an sich anekelt. Trotz der Lust, die ich manchmal dazu habe und der Ideen, die ich gerne festhalten möchte.

Aber alles verflüchtigt sich unwiderbringlich, wie Herzschläge. Die Zeit, die Zeit hängt mir im Nacken wie eine Horde Ulanen, und das Herz macht mir Kummer. Ich bin nicht so richtig zu diesem Tagebuch aufgelegt, aber es scheint mir doch notwendig. Ich suche wohl und will die schwarzen Löcher ergründen, die hinter mir liegen. Ich muss noch wühlen, hacken, graben.

Ach, heute Abend bin ich wieder zu müde. Aber ich muss das Geräusch ihrer Schritte vermerken, an denen ich sie erkenne, wenn sie im sechsten Stock ankommt. An ihrem festen Schritt. Ursula. Mein Arm schmerzt vom Schreiben. Sie wird wieder hier sein. Oder wo anders. Aber bei mir.

Quelle: arte.de

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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16. Januar 2012
Beitrag 875

Mit Henry Miller im Weltcafé

Saß unlängst im Weltcafé bei einer guten Suppe und einer Zotter-Schokolade und las das hier. Fotografierte es für euch. Weil: er kann schon schön beschreiben, dieser Herr Miller.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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15. Januar 2012
Beitrag 874

Die Software des Autors

Leonid hat mich gefragt, welche Software ich denn zum Schreiben verwende … Ich will nun kurz darauf eingehen, was ich nutze und vor allem wie ich damit arbeite.

1) Ein Textverarbeitungsprogramm. Was ich als sehr praktisch empfinde ist eine mehrstufige Kapitelstruktur — damit ich mich zurechtfinde. Diese Kapitelüberschriften sind nur für mich, die erscheinen im fertigen Werk nicht mehr auf.

Mit “###” markiere ich Kapitel, wo noch Text fehlt. Mit “+” markiere ich Kapitel die ich finalisiert habe. Mit “++” bezeichne ich Kapitel, die noch finaler sind :-)

Ich finde, die kostenlose Textverarbeitungssoftware OpenOffice ist ebenso gut wie Microsoft Word und unterstützt alle Dateiformate.

2) Freemind für Mindmaps. Hier als Beispiel meine Personen. Grün sind die, die zu Romanbeginn am Leben sind, rot jene, die bereits tot sind (Großelterngeneration und älter):

3) Ich speichere meine alten Versionen in einem Archiv. Alle paar Tage/Wochen ziehe ich eine Kopie meiner Dateien und lege sie in ein neues Verzeichnis, das als Namen das heutige Datum trägt. Das ermöglicht mir Auswertungen der alten Versionen, zudem zudem geht kein alter Text verloren — ich bin draufgekommen, dass ich Altes doch wiederverwende.

4) Ich verwende Dropbox, damit meine Daten immer gesichert sind — denn ein Computer kann jederzeit kaputt gehen. Und selbst wenn meine Wohnung von einem selbstmordenden Nachbarn im Zuge einer Gasexplosion vernichtet würde, und täte ich das überleben, könnte ich sofort weiterschreiben mit jedem anderen Computer. Wenn ich den Kopf dazu hätte. Was ich sicherlich nicht hätte.

Themengebiet Schreibprozesse und Arbeitsweisen, Schreibtipps und Texttechnik
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Vicki meint: Danke, Thomas, für diesen Einblick! Ich finde den strukturellen Teil immer sehr wichtig und ich glaube, dass es anderen auch so geht ...

Eva Jancak meint: Da bin ich wohl hoffnungslos altmodisch, wenn ich den Text einfach in den Computer tippe, hineinkorrigiere, mir den Text ausdrucke, das Alte wegwerfe und den Handlungsbogen mit der Hand in ein Notizbuch schreibe

andi meint: Ich würde ja für das alles Scrivener benutzen. Hat ein viel besseres handling als OpenOffice und geht auf alle Wünsche ein, die ein Schriftsteller so braucht. Vorallem kann man damit auch richtig strukturieren und mind mappen ;) http://www.literatureandlatte.com/scrivener.php

Thomas Wollinger meint: Danke, Andi, für den Hinweis. Sag, welche Erfahrungen hast du persönlich damit gemacht? Für welche Projekte hast du Scrivener eingesetzt? Was ist dir damit leichter gefallen?

Manifest vom Glück und vom Schreiben Schreiben ist ...