Nur einen Roman braucht es, einen einzigen

Obwohl Salinger nur einen Roman, mehrere längere Erzählungen und 35 Kurzgeschichten geschrieben hat, gilt er bis heute als einer der meistgelesenen und meistbesprochenen amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit. Sein literarischer Mythos geht so weit, dass Kritiker ein ganzes Jahrzehnt der amerikanischen Literaturgeschichte – die Jahre von 1948 bis 1959 – als „Ära Salinger“ bezeichnet haben.

Quelle: Wikipedia

Zyklische Fragen oder: Ein Trick, um aus dem Scheibloch zu kommen

Nun ist es also soweit. Mein Magen. Stresssymptome. Mein Literatenkörper gibt mir zu verstehen: so soll es nicht weiter gehen.

Der Gedanke, nicht schreiben zu können, hat dieselben Auswirkungen wie der Moment, in dem ich mich vor meine Word-Datei setze und vergeblich den geeigneten Einstiegspunkt suche.

Jetzt muss ich Abstand gewinnen. Klarheit schaffen. Indem ich mein Vorgehen strukturiere. Und darüber in diesem Blog schreibe.

Meine Aufgabe: Angelika (12) verkündet ihrer Familie, sich keiner Herzptransplantation zu unterziehen. Beschreibe dieses Ereignis, seine Folgen und Reaktionen aller Betroffenen.

Randbedingungen:  (1) Mein Protagonist Timon ist bei diesem Gespräch nicht dabei. (2) Die Persönlichkeiten von Timons Umfeld sind zeigen.

Meine Frage (die mir Bauchweh macht): Und wie verdammt nochmal mache ich das?

Heute war ein unruhiger Tag. Hin- und hergedacht. Diese und jene Kleinigkeit gemacht. Nachgedacht und müde gewesen. Und dann mein Trick:

Stell dir vor, Thomas, ein befreundeter Literat hätte ebendiese Aufgabe  zu lösen. Er wendet sich an dich und bittet dich um einen Rat. Was würdest du ihm raten?

Was ich ihm sagen würde? Ist doch sonnenklar! Schreibe für jede Person aus Angelikas Umfeld eine Szene. Darin eröffnete diese Person ihre Sichtweise. 5 Personen, 5 Szenen. Plus eine Szene mit Angelika. Weitere Szenen werden sich wie von selbst ergeben.

Ich glaube, ich hab’s.

Worum geht es denn? Oder: Mein Roman in 320 Zeichen

“Ah, du schreibst einem Roman. Interessant. Worum geht es denn?”

Wenn ich imstande bin, auf diese Frage bündig zu antworten, bin ich mir über das Wesen meines Romans im Klaren. Eine gute Idee zeichnet sich dadurch aus, dass ich sie treffend vermitteln kann – was nicht heißt, dass es mir leicht fällt, sie treffend zu vermitteln (”Simple but not easy”).

Hier nun meine Antwort im Format einer doppelten SMS:

Im Zentrum des Romans steht ein jahrhundertealtes Krankenhaus. Seine mythische Gründerin Viola ist im 30jährigen Krieg verschollen. Sophie, eine Archäologin, entdeckt Violas Skelett – und wird ermordet. Nun kommt Timon in die Stadt, um mit seinem Verlust fertig zu werden – er ist der Vater von Sophies ungeborenen Kind.

“Auf gewisse Art muss ich alles neu erlernen.”

Wenn es mir richtig gut geht, fällt mir das Arbeiten schwer. […] Ich brauche immer ein gewisses Maß an Unruhe oder sogar Verzweiflung, bis ich in Gang komme und mich an die Arbeit mache. Wenn ich mich an einen Comic-Strip setze, dann kann ich nicht anders. Entweder weil ich Geld brauche – wie früher – oder weil ich etwas verarbeiten muss.

Art Spiegelman, fotografiert von Seth Kushner

Art Spiegelman, fotografiert von Seth Kushner

Dann muss ich das Rad neu erfinden. Ich durchlaufe meine Geburt, die Schulzeit, die Jahre der Therapie und meine jungen Jahre. Ich muss lernen, wie man einen Stift hält und welchen ich verwende. Welches Papier ich brauche. Wie groß ich zeichnen muss. Auf gewisse Art muss ich alles neu erlernen. Jeder Comic-Strip ist eine Art Neuerfindung, selbst wenn ich dazu dieselben Methoden anwende wie zuvor.

So arbeite ich eben.

Art Spiegelman, Schöpfer des Comics Maus – Die Geschichte eines Überlebenden, in einem Interview auf Arte TV, ausgestrahlt am 25.1.2010.

Für mich ist jeder Roman, jedes Kapitel ein Neuanfang. Immer wieder muss ich das Schreiben neu erlernen. So arbeite ich eben. Manchmal kann ich damit schon recht gut umgehen.

Wie der bloggende Literat die Welt sieht

html und das richtige Leben

html und das richtige Leben (1)

html und das richtige Leben - 2

html und das richtige Leben (2)

Wenn ich vom Roman erzähle, arbeite ich am Roman

Wenn ich über meine Romanpersonen rede, dann erschaffe ich sie dadurch (konstituierende Wirkung des Aussprechens). Letztens habe ich von Angelika erzählt. Und meine Gedanken zu ihr konnte ich nicht gut vermitteln. Und wenn ich eine Idee nicht vermitteln kann, liegt es womöglich daran, dass die Idee gar nicht so gut ist.

Wie ich letztens ihre Persönlichkeitsstruktur beschrieben habe, finde ich heute gar nicht mehr gut.

Viel besser: Es verweigert seine Herztransplantation, weil es nicht mehr leiden, passiv, gezwungen sein will. Weil es leben, aktiv, selbstbestimmt sein will. Weil es durch das Chemotrauma seiner Kindheit resilent geworden ist.

Das Sterben recherchieren oder: Ganz nahe am Leben

Palliativsymposium - Reigentanz

Reigentanz

Dieses Foto ist auf dem Symposium im März 2009 entstanden. Thema war Palliativpflege von Kindern und Jugendlichen. Das Foto entstand, als uns Veronika Wartmann einen Reigentanz zeigte – Tanz als Bewältigung von Trauer. Wie man sieht, war ich der einzige männliche Teilnehmer – die anderen waren Krankenschwestern.

(Ich hatte schon vorher Tote gesehen – in gerichtsmedizinischen Vorlesungen: Selbstmörder, Verbrennungsopfer, Mordopfer, mumifizierte Leichen. Am Tiefsten der Eindruck eines 12jährigen. Erwürgt, um seiner Großmutter das Sparbuch zu stehlen. Er hatte eine fingerbreite Naht vom Bauch bis zum Hals: so war sein Körper nach der Obduktion geschlossen worden.)

Auf dem Symposium dann diese Fotos. Von einem toten Baby. Seine Eltern, die es zum letzten Mal waschen. Die Mutter, so wurde uns erzählt, stieß versehentlich sein Köpfchen gegen den Beckenrand und sagte “Entschuldige”.

Das Symposium trug den Titel: “Wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.”

Romanperson wegkürzen

Das liebste Kürzen ist, wenn ich kürze, bevor ich noch etwas geschrieben habe. Sprich, wenn ich mein Konzept vereinfache. So geschehen letztens mit einer Romanperson – eine, die ich mochte, die eines meiner großen Themen widerspiegelte. Ich habe sie folgendermaßen hinterfragt:

  1. Wenn diese Person im Roman fehlt, was fehlt dann dem Roman?
    (Diese Frage ergibt Handlungsstränge, Konflikte, Charaktereigenschaften)
  2. Welche dieser Handlungsstränge / Konflikte / Charaktereigenschaften sind nötig? (Mit “nötig” meine ich “nötig, damit der Roman sein Wesen behält” und nicht “interessant” oder “spannend”)
  3. Welchen anderen Personen kann ich diese nötigen Handlungsstränge / Konflikte / Charaktereigenschaften umhängen?

Das Zusammenlegen von Personen zu einer führt zu einer Verdichtung der Handlung und der Konflikte. Grundsätzlich sollte man mit möglichst wenig Personen auskommen. Bei mir sind es nun neun lebende und acht tote.Allesamt namentlich bekannt und wichtig.

Siebzehn ist eine ganze Menge. Nun, es ist ja auch ein großer Roman.

Show, don’t tell oder: Plappermäulige Blicke

Philipp Bobrowski ist treffend in seinen Ansichten rund um Textqualität.  Letztens las ich bei ihm etwas über plappermäulige Blicke:

Hoffend sah ich sie an. Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu und mir wurde ganz heiß.

In der Regel sagt so ein vielsagender Blick nur eines: Hier weiß jemand den Blick nicht zu deuten oder sich nicht auszudrücken. Im günstigsten Fall ist es die Figur, in den weitaus meisten Fällen ist es leider der Autor. Vor allem in den Texten von Schreibanfängern tummeln sich die vielsagenden Blicke an jeder Ecke. Dieses Geschnatter und Geplapper ist kaum auszuhalten. Mal ein vielsagender Blick wäre ja noch in Ordnung. Auf die Dauer kann man vom Autor aber durchaus verlangen, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben, einerseits der Abwechslung wegen, andererseits, weil ein Blick eben so viel mehr (und Subtileres) sagen kann als viel.

Übrigens sind tiefgründige Blicke meist nicht weniger oberflächlich. Und auch ein hintergründiges Lächeln sollte nicht ständig in den Vordergrund gerückt werden.

Mit aller Gewalt

Mit aller Gewalt will ich dem heutigen Tag Sätze entreißen.

(Das ist auch einer der Zustände, die mich manchmal haben. Wo ich wütend bin, dass nichts weitergeht und ich meine Fäuste balle – aber mit geballten Fäusten kann ich nicht tippen)

Wenn ich nicht schreibe, sterbe ich

… das klingt übertrieben, und in einem Roman würde ich mir überlegen, so einen Satz unterzubringen.

Er widerspiegelt ein schubweises, minutenlanges Gefühl. Und dabei toben in meinem Kopf Überlegungen, die so seltsam und wirr sind, dass sich mein Verstand an den Kopf greift und fragt: Über so etwas denkst du nach?

Das ist, weil ich nicht schreibe.

Wie beim Piloten, der aus Sauerstoffmangel eine Situation nicht mehr realistisch einschätzen kann und darum auch nicht daran denkt, dass er bloß zur Sauerstoffmaske greifen muss, um wieder klar zu werden. Deshalb in den Flugzeugen die Anweisung, zuerst sich selbst die Maske anlegen, dann erst den anderen. Hätte ich eine Checkliste wie die Piloten, dann würde ganz oben stehen:

Schreib, Thomas. Schreib.

Der Roman ist futsch oder: Ein Königreich für eine Sicherungskopie!

Gehe immer davon aus, dass dein Computer heute das letzte Mal funktioniert hat.

So ist es. Computer sterben. Es geschieht meist plötzlich. So dass du keine Chance hast, deinen Roman und eure Fotos zu retten. In der Computerbranche weiß jeder über Ausfallswahrscheinlichkeiten der Geräte Bescheid (nicht umsonst haben gibt es Ausfallsrechenzentren), doch unter Literaten gehört das nicht zum verbreiteten Wissen.

Jede Datei, die wichtig ist, muss zumindest auf zwei voneinander unabhängigen Geräten abgespeichert sein.

Diese beiden Geräte können etwa Laptop + externe Festplatte sein, oder Laptop + USB-Stick (Wenn ihr unterwegs sind, dann, bitte, steckt nicht beides in dieselbe Tasche – für den Fall, dass euch diese Tasche abhanden kommt). Oder ihr schickt die Dateien einem Freund. Oder, wenn ihr keinen Freund habt, dann schickt die Dateien an euren Webmail-Account und lasst sie dort im Posteingang liegen.

Ich konstruiere ein herzkrankes Mädchen (Folge 217)

Erstens.

Angelika (12) leidet nicht an Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD), das ist mir nun klar (Danke euch Bloglesenden für eure Kommentare und Mails).

Sehr wohl war ihre Chemo (als 4jährige) ein Trauma . Sie hat das Trauma überwunden, sie hat überlebt. Angelika ist resilent.

Resiliente Personen haben erlernt, dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.

  • Resiliente Personen gehen mit Stress effektiv um.
  • Sie haben gute Problemlösefähigkeiten.
  • Bei Problemen bitten sie um Hilfe.
  • Sie glauben, dass es Möglichkeiten gibt, mit Lebensproblemen umzugehen.
  • Ihre Beziehungen zu Freunden und Familienmitgliedern sind eng.
  • Mit Freunden und Familie sprechen sie über das Trauma und ihre Gefühle.
  • Sie sind spirituell/religiös eingestellt.
  • Statt als „Opfer“ sehen sie sich als Überlebende.
  • Sie helfen anderen.
  • Sie versuchen, dem Trauma etwas Positives abzugewinnen.

Das passt alles gut zu Angelika, so wie ich sie schon früher erlebt habe.

Angelika entscheidet also aus sich heraus. Sie wägt ab: Der Weg ohne Herztransplantation, der Weg mit Herztransplantation. Beide Wege sind keine leichten. Sie entscheidet sich, dass sie leben will. Nicht für das Sterben entscheidet sie sich, sondern für das Leben ohne Operation.

Sie ist fest in ihrem Entschluss, denn…

Zweitens.

Angelika ist stur. Sehr stur.

Ein Herz oder: Was mir beim Recherchieren so begegnet

Patient mit Berlin Heart

Berlin Heart

Das Berlin Heart ist ein Apparat, der wie ein Herz funktioniert und ein Überleben bis zur Transplanation ermöglicht.

Dabei ragen dem Patienten 4 dicke Schläuche aus dem Bauch – wochenlang, monatelang, bis ein passendes Spenderherz verfügbar ist. Mobilität ist insofern gegeben, als man den Apparat auf Rollen herumschieben kann.

Eine Innsbrucker Krankenschwester gab mir ihre Diplomarbeit über das Berlin Heart (Danke!). Der junge Patient auf dem Foto meinte: “Nicht jeder hat ein Herz, auf das man sich lehnen kann!”

Angelika in meinem Roman wird kein Berlin Heart benötigen, ihr Herz geht nicht so schnell kaputt.

Ich weiche immer noch aus

Bin immer noch nicht nahe genug an meiner herzkranken Angelika. Ich recherchiere eben Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD), mit der Idee, dass ihre Chemotherapie ebendieses Trauma ist. Und das mit den Trauerphasen nach Kübler-Ross zusammenbringen. Aber PTSD passt nicht so recht, weil meine Angelika immer noch starkes und waches Interesse an der Welt zeigt. Ich könnte bei meinen Tiroler Freunden anrufen, mit von Krankenschwestern das Verhalten der Kinder wieder einmal erzählen lassen…

Nein! Weitere Recherche wäre wieder eine Ausflucht! Niemand kann für mich diesen Weg gehen. Denn niemand außer mir hat Zugang zu Angelika, keiner kennt sie besser als ich. Ich weiß genug. Ich muss aus mir heraus Angelika schaffen.

Wie man sich dieses Schaffen vorstellen kann? Auf und abgehen in meinem Schreibraum. Und die einzige Ablenkung, die ich mir erlaube, ist, dieses Blogeintrag zu tippen. Um klarer zu werden.

Richtig trauern oder: Fernsehverbot nach Kübler-Ross

Jeder geht mit Trauer und Verlust anders um, klar. Doch wenn ich einen Charakter baue, der dann orientiere ich mich vorerst am jeweils gängigen Verhalten. Später erst konstruiere ich mir aus diesem Üblichen das ganz Spezifische meiner Romanpersonen – indem ich es mit meinen eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen vermenge.

Eine gute Quelle ist Kübler-Ross. Sie geht auf das Sterben aus der Sicht des Sterbenden ein und sieht folgende Verhaltensweisen (die nicht in dieser Reihenfolge passieren müssen):

1) Nichtwahrhabenwollen und Isolierung
2) Zorn
3) Verhandeln
4) Depression
5) Akzeptanz

Es muss ja auch nicht immer ums Sterben gehen – ähnliche Verhaltensmuster eröffnen sich mir bei Alltäglichkeiten, etwa, wenn ich meinem Kind das Fernsehen verbiete – dann macht es auch solche Phasen durch, manchmal innerhalb weniger Minuten :-)

Die Kübler-Ross’schen Verhaltensweisen lassen sich gut auf andere Verluste ummünzen. Im Roman kann ich diese Verhaltensweisen einer Person, aber auch unterschiedlichen Romanpersonen zuordnen; ich kann die Personen zwischen Verhaltensweisen hin- und herspringen lassen. Das macht deutlich, in welcher Ausnahmesituation sich die Personen befinden.

Schmerzenskind und Lebenskind

Mindmap zu Angelika

Mindmap zu Angelika

Angelikas Weigerung, eine Herztransplantation durchführen lassen, fußt in ihrem Kindheitstrauma: mit 4 eine Chemotherapie.

Seit der Chemo sieht Angelika zwei Kinder in sich:
1) das Schmerzenskind und
2) das Lebenskind.

Das Schmerzenskind hat schier Unerträgliches auf sich genommen, um dem Lebenskind leben zu geben. Und jetzt, mit 12, wo Angelika wieder viel Leid droht, sagt Angelika: “Das kann ich dem Schmerzenskind nicht nochmals antun.” Und so beschließt sie, zu leben ohne zu leiden, so lange es geht.

Letztens, im Zug von Graz nach Wien, habe ich Mindmap erstellt, um mich Angelikas Entscheidung zu nähern. Und um einzuordnen, wer in Angelikas Umfeld wie reagiert.

Zug

Mein Grazer-Wiener Großraumbüro

Mein Grazer-Wiener Großraumbüro

Einmal im Monat zu GRAUKO. Das bedeutet zweimal zweieinhalb Stunden Schreiben im Zug. Draußen schiebt sich verschneites Land vorbei, Eiskristalle werfen sich gegen die Fenster, und drinnen im Großraumwagen ist viel Freiheit: für Beine, fürs Hinausschauen, fürs Gedankenschweifen.

Ich höre Musik aus dem Laptop, nippe am Kaffee und bin bei Angelika und Timon.

Welchen Laptop soll ich mir kaufen?

Franz ist Literat. Er will sich einen Laptop kaufen und bittet mich um Rat.

Ich frage ihn, wie er denn den Laptop verwenden will. Er arbeite mit Textverarbeitung, er surft im Internet, tippt E–Mails, überträgt Fotos von seinem Fotoapparat, hört Musik und sieht sich gelegentlich Filme an.

Ich spreche mit Franz ein paar Themen durch:

  1. Wie hoch ist sein Budget? Brauchbare Laptops gibt es ab 400 Euro, mehr als 1500 braucht man nicht ausgeben. Grundsätzlich verbessern sich die Angebote für Laptops jedes Jahr.
  2. Ortsungebundenheit und Gewicht: Weil Franz bisher einen schweren Laptop hatte, nahm er ihn nicht gern mit. Wenn er immer einen leichten Laptop hätte, könnte er die Bahnfahrt ins Büro für seine Morgenseiten nutzen. Oder sich nach der Büroarbeit noch in sein Lieblingscafé setzen und dort schreibend den Abend ausklingen lassen. Sein Laptop soll leicht ist. Ich sage ihm, dass ein Laptop heutzutage nicht mehr als 1.7 kg wiegen soll.
  3. Ortsungebundenheit und Batterielaufzeit: Franz fährt jedes Monat zum Literatentreffen. Da ist er zweieinhalb Stunden unterwegs, oft in Waggons ohne Steckdose. (Von den Angabe der Hersteller zur Akkulaufzeit ist ein Drittel abzuziehen, um realistisch zu bleiben.)
  4. Kundenservice des Herstellers: Jeder Computer kann kaputt gehen. Das ist so, und darum gibt es 2 Jahre Gewährleistung per Gesetz. Man sollte den Rechner nur bei Firmen kaufen, deren Service okay ist. Bei Dell und Toshiba zum Beispiel bekommt man ein leeres Paket zugeschickt, man gibt seinen Rechner hinein, schickt das Paket auf Firmenkosten zurück und bekommt den reparierten Rechner zurück. Bei Acer hingegen ist der Service schlecht. Bei Lenovo kenne ich diesen Service nicht, weil mir bisher noch nie ein Lenovo kaputtgegangen ist :–)
  5. Lautstärke des Ventilators. Billige Geräte sind oft lauter.
  6. Auflösung des Bildschirms. Breit sind sie meist, die Bildschirme heutzutage. Aber wir Autoren schreiben unsere Sätze untereinander. Daher: Mindestens 768 Bildpunkte in der Höhe. Mit der Bildschirmdiagonale hat das nur indirekt etwas zu tun. Die winzigen Netbooks haben meist 600 Pixel Höhe, das ist mir zu wenig.
  7. Tastatur: Laptop–Tastaturen heutzutage sind alle recht okay. Die Tastaturen der winzigen Netbooks hingegen sind manchmal gewöhnungsbedürftig.
  8. Sonderangebote und Supermärkte: Meide sie für den Laptopkauf. Meist wird unhandliches, lautes Zeug angeboten.

Weniger relevant für die Entscheidung von Franz sind:

  1. DVD–Player: Ob ein Laptop einen DVD–Spieler hat oder nicht, ist für einen Literaten wie Franz nicht relevant – denn unterwegs sieht er keine DVDs an, und einen externen DVD–Spieler kann er daheim über USB–Kabel abhängen (60 EUR).
  2. Rechnerleistung: Unerheblich für einen Literaten sind Prozessorleistung, Speicher, Grafikkarte und Größe der Festplatte – dies alles ist heutzutage so leistungsstark. Da kann Franz getrost die preisgünstigere Variante nehmen.
  3. Technologie des Bildschirms (Helligkeit, matt oder glänzend, TFT oder LED): Bildschirme sind heutzutage alle sehr brauchbar.
  4. WLAN: Ist wichtig, und jeder Laptop hat es heutzutage schon. Die meisten haben auch Bluetooth. (Sollte kein Bluetooth verfügbar sein, könnte sich Franz um 12 EUR einen USB–Bluetooth–Stecker kaufen.)

Recht einfach kann man sich über www.geizhals.at einen Überblick über den Laptopmarkt verschaffen.

Franz kaufte den Dell Vostro 13, der wiegt 1.6kg und kostete ihm inklusive Versand 508 Euro. Er ist leise, sehr handlich, hat ein ausreichend großen Bildschirm.

Ich selbst habe einen Lenovo X60s, 12 Zoll Bildschirm, Baujahr 2007. Bin sehr zufrieden. Das Teil wiegt nur 1.43kg. Hat mich damals 1500 Euro gekostet.

Eugenie Kain † 2010

Eugenie Kain habe ich im Rahmen der Leondinger Akademie für Literatur kennen gelernt. Eine warmherzige, analytische Autorin und Lehrerin. Bei ihr habe ich auch erstmals gesehen, dass Mindmaps für die literarische Arbeit nützlich sein können.

Die Fotos habe ich am 4.2.2006 mit meinem Handy in Leonding gemacht.

Meine wiederkehrenden Themen und ich

Ich habe Themen. Die mir starkes Anliegen sind. Themen, die wohl seit meiner Kindheit an mir gehangen sind. Als Fragmente von Geschichten, als Handlungen nie geschriebener Drehbücher, als nackte Eindrücke. Meine Themen drängen in alles, was ich schreibe. Nie will ich aufhöre, darüber zu schreiben. Dazu gehört: auf der Flucht sein; sich in einer fremden Welt wiederzufinden; alleine auf sich gestellt sein; in einer belagerten Stadt zu sein; die Machtkämpfe innerhalb von Eliten; Krieg als Wesen des Menschseins.

Aber: Meine Texte sind umso besser, je weniger diese Themen in Erscheinung treten. Das ist das, was ich vor 1999 so brutal falsch gemacht habe: ich habe über diese Dinge geschreiben. Direkt. Ausschließlich.

Denn diese Themen sind kopflastig. Das ist ein gravierendes literarisches Problem – in der Literatur zählt nur das Gefühl.

Also arbeite ich subversiv. Gefühle als Träger meiner Themen. Ich bediene mich Romanpersonen, die den Leser in ihre Welt hineinziehen lassen, sanft und ruckartig gleichzeitig. Wie zum Beispiel ein herzkrankes Mädchen. Niemals plante ich, über ein herzkrankes Mädchen schreiben! Aber nun ist sie da, Angelika, nun muss ich mit ihr, nun will ich mit ihr. Wenn der Roman zuende gelesen ist, werden sich alle an sie erinnern. Nur wenige werden sich denken: Das ist ein Roman, der von jenen alten Kriegen handelt, die immer noch in unsere Köpfen sind.

Das ist okay.

Aufstellung oder: Nachbeben einer Recherche

Romanaufstellung mit Playmobilfiguren

Roman-aufstellung

Um meine Innsbrucker Recherchereise zu verarbeiten, stellte ich die Romansituation auf (ein wenig Familienaufstellung): Angelika (mit weißen Hut), ihre Mutter (gelber Hut) und daneben ihre Zwillingsschwester, also Angelikas Tante (roter Hut).

Erstaunlich: da verschiebe ich die eine oder andere Figur, und Widerstände tun sich in mir auf, oder Traurigkeit, Hoffnung oder Freude.

Mir ist etwas klar geworden: Ich habe mich bislang vor etwas Wesentlichem gedrückt. Es geht um den Entschluss Angelikas, ihre Herztransplantation zu verweigern: In früheren Konzepten war ihr Entschluss längst gefallen und kommuniziert, lange vor Romanbeginn.

Dabei ist das einer größten Konflikte überhaupt – wie schade eigentlich, wenn ich ihn nicht vor den Augen des Lesers auslebe! Und so schicke ich nun meinen Protagonisten und mich direkt hinein. Wenn sich das Kind wider dem Willen von Mutter und Tante nicht operieren lässt.

Es ist die Großmutter (die Figur mit der Krone), die sagt: “Angelika, entscheide selbst. Es ist dein Leben.”

Was für ein Riss in der Familie! Und dabei ist dieser Riss nicht eben erst entstanden: es sind die alten Fronten, die sich auftun. Der Roman wird in sich weiter und weiter. Und dabei ist das bloß das erste Drittel. Wahnsinn.

Leserunde

Seit 1993 bin ich Mitglied der Leserunde. Sie trifft sich monatlich. Jeder liest einen vorbereiteten Text zu einem vorbestimmten Thema und einer vorbestimmten Literaturgattung.

Die vorgelesenen Texte sind nur ausnahmsweise Selbstverfasstes. Es geht also nicht um Schreiben, und die Mitglieder sind (bis auf eine Ausnahme) keine Literaten.

Es geht um einen Austausch, der vom Zufall gesteuert ist.

Die Spielregel:

  1. Der Gastgeber legt die Namenskärtchen in zufälliger Reihenfolge auf (In dieser Reihenfolge wird beim heutigen Treffen gelesen).
  2. Für das nächste Treffen ordnet der Gastgeber zufällig jedem Namen ein Literaturgattungskärtchen zu.
  3. Für das nächste Treffen wählt der Gastgeber ein Thema (Er schlägt irgendein Buch auf, mit verschlossenen Augen. Er legt den Finger auf eine Seite legen, und das nächstgelegene Hauptwort ist dann das Thema.)
  4. Nun beginnt das Lesen. Je nach Literaturgattung kann der Beitrag auch das Abspielen einer CD oder das Herzeigen eines Fotos sein.
zugeordnete Literaturgattungen, und "Kante" ist das Thema für den nächsten Termin

Literaturgattungen sind den Teilnehmern zugeordnet. "Kante" ist das Thema für den nächsten Termin

Schreiben und Arbeiten

„Du schreibst also neben der Arbeit?“

– Nein. Denn Schreiben ist Arbeit.

„Kann man vom Schreiben leben?“

– Ja. Da gibt es etliche Autoren, die das tun.

„Lebst du vom Schreiben?“

– Ja, vom emotionalen Standpunkt gesehen.

„Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?“

– Ich bin Berater für Software–Projekte.

„Das ist also dein Brotberuf.“

– Nein. Denn mir machen Software–Projekte Spaß.

„Also dann ist Schreiben dein Hobby?“

– Ich habe keine Hobbies.

Peymann oder: vom Lebenstraum, ein Schriftsteller zu werden

Peymann spricht über seinen Lebenstraum
Entdeckt und fotografiert im Cafe Central, Innsbruck,
am 8. Jänner 2010 im Feuilleton der „Presse“