Artikel der Kategorie “Romantagebuch”

(Das hier ist irgendwie das Logbuch einer Reise)

9. September 2010

Weite

Beim Frühstück auf der Terrasse konfrontierte ich meine GRAUKO–Kollegen mit meinem aktuellen literarischen Problem, in dem es darum ging, zwei Romanpersonen zu einer zusammenzulegen. Isolde – sie kannte das Thema aus meinem Blog – reagierte mit Abscheu (wie die meisten Leute, denen ich von diesem Plan erzählte). Denn das bedeutete, dass ich die Mutter eines herzkranken Mädchens zur Mörderin machte. Ich erklärte Isolde und den anderen die Situation. Durch meine Erklärungen schärfte sich für mich die Lösung. Und ebenso klarer wurde der Eindruck für die anderen, so dass Isolde am Ende meinte, diese neugeschaffene Dagmar würde eine sehr interessante Romanperson werden.

Wir verbrachten die Mittagszeit am Meer. Ein paar Stunden hatte ich gar keinen Drang zu schreiben. Ich beobachtete die Wellen und Maria, wie sie Peters Romanmanuskript las und einen Buben, dessen Angelschnur sich am Seil eines Boots verhängte. Das alles genügte mir – so lange, bis es mich zum Haus zurückdrängte. Auf der Terrasse arbeitete bis in den frühen Abend an der Mindmap für die Romanperson Dagmar.

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8. September 2010

Schreibraum Feigenbaum

Feigenbaum

Das erste, was eine Autorin macht, wenn sie sich irgendwo einquartiert: sie richtet sich den Schreibraum ein. Das tat Margarita gleich nach dem Frühstück unter einem Feigenbaum.

Dieser Feigenbaum befindet sich hier:


Größere Kartenansicht

(Wir wohnten in Murter, in der Ferienwohnung Anita – Anita Schellnegger war uns eine sehr angenehme Gastgeberin)

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7. September 2010

GRAUKO goes Kroatien

Wenn wir vom Grazer Autorinnen und Autoren Kollektiv (GRAUKO) etwas zum ersten Mal tun, dann begründen wir damit gleich eine neue Tradition. Diesmal: Die GRAUKO Schreibwoche. Sie fand Ende August 2010 in Murter, Kroatien statt. Mit dabei: Isolde, Margarita, Maria, Peter, Thomas und die beiden Literatinnenehemänner Albert und Franky.

Der erste Tag verbrachten wir mit Anreisen, wobei das zweite Auto unseres zweiteiligen Konvois stets dem ersten Auto nachfuhr – auch im strömenden Regen gut erkennbar wegen des Fahrrads.

Eigentlich wollte ich die stundenlange Autofahrt dazu nutzen, die Zusammenlegung zwei meiner Romanfiguren zu besprechen. War aber zu müde.

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6. September 2010

Hier steht, warum keiner so arbeiten soll wie ich

Roland B. Tobias: 20 Master Plots and how to build them, Seite 31

Roland B. Tobias: 20 Master Plots and how to build them, Seite 31

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3. September 2010

Ich habe ein Leben neben dem Schreiben

Paul Cézanne - Harlekin

Letztens meinte eine Leserin, die Leser meines Blogs müssten annehmen, dass ich außer Schreiben nichts anderes täte (Sie sagte das in deutlicheren Worten, die mir leider entfallen waren; es klang so, als würde mich der Blog als verbissenen Einsiedler darstellen, der vor lauter Schreiben niemals seine Wohnung verlässt).

Darum sage ich euch: Ich habe ein Leben neben dem Schreiben.

Ein abwechlsungsreiches, intensives gar. Die meiste Zeit meines Lebens schreibe ich gar nicht, denn dann arbeite in IT-Projekten, dann tanze ich oder besuche Tanzkurse, dann gehe mit meinem Kind ins Museum, dann fahre ich Rad oder trinke Caipirinhas oder schlafe.

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2. September 2010

Fiktiver Stadtplan

In der Stadt, die ich erfunden habe, muss ich einiges unterbringen, wie zum Beispiel:

  1. mehrere Trakte des Violanums (das Krankenhaus, das 1637 gegründet wurde).
    • Altes Violanum
    • Stephantrakt mit dem Festsaal
    • Das Schloss (=Altersheim)
    • Pflegeschule
    • Verwaltungsgebäude
  2. Stephanus-Kirche (auch Violakirche genannt) samt
    • gotischem Kirchenschiff
    • frühbarocker Violakapelle
    • Grabmal von Viola und Stephan und
    • barockem Kirchturm
  3. Polizeiwache
  4. Die Frühstückspension, in der Timon wohnt
  5. Das Haus von Timons toter Freundin
  6. Das Museum, in dem Sophie umgekommen ist
  7. Den Fundort von Violas Skelett
  8. Freiwillige Feuerwehr (außerhalb der Stadtmauern)

Zudem brauche ich die städtebauliche Vorgeschichte der Stadt – sprich das, was an baulicher Struktur vor der Gründung des Violanums dagewesen war (Beginenhof aus dem 13. Jahrhundert, blauer Umriss). Denn die Stadt, wie sie heute zu sehen ist, ist das Ergebnis des Wiederaufbaus nach der Katastrophe von 1645 (Brandschatzung durch die Schweden). So etwa wurde die Hauptstraße begradigt (der alte Verlauf ist rot dargestellt). Die Grundmauern der alten zerstörten Häuser entlang der alten Hauptstraße bilden die Kellergewölbe der neuen, barocken Gebäude -  hier wird der angeschossene Timon Zuflucht finden. Quasi in der Stadt unter der Stadt.

Seit April 2007 verwende ich dafür einen Stadtplan, damit alles zusammenpasst:
Stadtplan Friedstatt

Wie man unschwer erkennt, fußt diese Topografie auf einem Luftbild der Stadt Dürnstein.

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1. September 2010

Warum ein Handlungsmuster?

Ich übersetze für mich den Begriff “Master Plot” mit “Handlungsmuster”. Es beschreibt nicht meine Handlung, aber identifiziert ein Muster, dem meine Handlung – mit einem bestimmten Anteil – folgt. Und hilft mir, Arbeit zu sparen, weil ich auf Erfahrung von Autorengenerationen zurückgreifen kann.

Seite 6

Seite 6

Seite 8

Seite 8

(Quelle: Roland B. Tobias: 20 Master Plots and how to build them)

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31. August 2010

Drei Regeln, wie man einen Roman schreibt

There are three rules for writing a novel. Unfortunately no one knows that they are.

Sommerset Maugham
Quelle: 20 Master Plots, Seite 32

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30. August 2010

Befehle, die sich in Hauptwörtern verstecken

Seit zwei Jahren sammle ich Imperative, die Substantive sind, wie etwa:

Buch – Im Reisebüro: Buch die Reise!

Reisebüro - Reise, Büro! Mach einen Betriebsausflug.

Schaukelstuhl - Schaukel, Stuhl!

Werft – Werft den Ball (Danke, Vincent!)

Schiffe – Befehl zum Wasserlassen

Asset (engl.) – Aufforderung zum Essen (Esset!). Und Asset bedeutet ja auch, sich etwas im übertragenen, wirtschaftlichen Sinne einverleibt zu haben

Peter - Bet, er!

Begine - Beginne! Fange an! (Die Beginen waren ein Drittorden für Frauen. Beginen führten ein frommes, keusches Leben in ordensähnlichen Hausgemeinschaften)

Ende - Am Ende des Films befiehlt der Film dem Zuschauer aufzuhören: “Ende!”. Denn was hat das Leben denn noch für einen Sinn, wenn der Film zu Ende ist?

Schlafzimmer – Schlaf, Zimmer! Im Sinne von Frauenzimmer, quasi: Mädel, geh schlafen.

Komplex - Komm, Plex! Plex, bei Fuß! Braver Plex. Guter Plex. Aus, Plex!

Fernseher – Fern seh’ er!

Kugelschreiber - Aufforderung, das Wort Kugel zu schreiben.

Kopfhörer – Das Wort Kopf möge gehört sein.

Fahrrad - Und der Herr schuf das Rad und sprach: Fahr, Rad!

Laufrad – siehe Fahrrad.

Schwimmweste – Schwimm, Weste!

Füllfeder – Füll Feder, sonst ist sie leer!

Aufzug – Geh auf, Zug! Ich will einsteigen.

… fällt euch noch was ein?

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29. August 2010

Das waren Zeiten: Mein erster Laptop

So in etwa hat mein erster Laptop ausgesehen, den ich mir 1998 gebraucht gekauft hatte, zum Romanschreiben. Mit schwarzweißem Bildschirm. Auflösung: 640×480

Toshiba Laptop Satellite

Toshiba Laptop Satellite - Quelle:bigkey.com

Und er hatte Windows 3.11 (mit Winword 2.0):

Windows 3.11 (in schwarzweiß)

Windows 3.11 (in schwarzweiß)

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28. August 2010

Das waren Zeiten: Word 2.0

Damit habe ich meinen ersten Roman getippt. War ein gutes Programm. War zuverlässig. Weil Word 2.0 nicht mit so großen Dateien konnte, musste ich meinen Roman auf drei Dateien aufteilen.

Word 2.0

Da ich einen zu schmalbrüstigen Computer hatte, blieb mir bis 1997 das hier verwehrt:

Word 6.0

(Achtung: bei Word 6.0 sollte man besser die Schnellspeicherung nicht verwenden)

Ab dann wurde Word ja einigermaßen unübersichtlich:

Menüpunkte in Word

(Hier geht’s zur Quelle dieser Bilder)

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27. August 2010

Auf, auf zur 8. Fassung!

Das menschliche Denken, Mitte 17. Jh, Kupferstich, Sudhoff-Institut Leipzig, Foto: Kustodie/Karin Kranich

Ich: Gut, Thomas. Hast du also beschlossen, zwei Romanpersonen zusammen zu legen. Hätte dir das nicht auch früher einfallen können?

Ich: Lass das. Du weißt genau, dass ich mich in Spiralen meinen Romanpersonen und der Handlung nähere. Ist eben so.

Ich: Lernst auch nichts dazu, oder?

Ich: …

Ich: Also ran an die Tasten, Thomas! Auf, auf zur 8. Fassung. Zum Glück nicht so schlimm wie der Umstieg von der 6. auf die 7. Die meisten Szenen bleiben gleich. Du weißt, was auf dich zukommt?

Ich: (nicke)

Ich: Mindmaps mit den Personen anpassen. Eine Feste Meinung zum Wesen von Dagmarneu bilden, bevor du weiter tust! Damit wir nicht gleich in die 9. Fassung schlittern, hörst du? Darum: gut überlegen, ja?

Ich: Ja ja.

Ich: Dann die Szenen mit Isabellaalt und Dagmaralt zum Überarbeiten markieren. Eigentlich alles bisher geschriebene durchwassern. Am besten dir eine emotionale Szene aussuchen und mal einsteigen in Dagmarneu.

Ich: Weiß ich eh’.

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26. August 2010

Blog in der U-Bahn

Mein Blog auf dem Newsreader des Telefons von J.

Mein gestriger Blogeintrag

Unlängst traf ich mich – nach langer Zeit wieder – mit den Literatinnen S., J. und M.

Ich erzählte eine pointenhaft gemeinte Begebenheit rund um meine aktuelle Romanarbeit. Da gab mir J. zu verstehen, dass sie die Begebenheit schon kannte – weil sie meinen Blog verfolgte, in der U-Bahn. Jeden Tag. Auf ihrem Handy. Mit dem Google Newsreader.

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25. August 2010

Warum wir Autoren ausrutschen und stürzen

Ich prüfe alles auf Verwertbarkeit: Wenn ich ausrutsche und stürze, hab’ ich, noch bevor ich auf den Boden aufschlage, einen kurzen, lakonischen Satz dafür formuliert.

Else Buschheuer, bloggende Autorin,
im Spiegel Online Kultur

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24. August 2010

Explosion, wieder einmal

Nuclear Predetonation. Quelle: Wikipedia

Jedesmal, wenn ich zwei Romanpersonen zusammenführe, ist das für mich eine emotionale Explosion, die meine Texte und Ideen weitertreibt.

Es ist so abgelaufen:

  1. Gestern, unter Tags, im Buch “20 Masterplots” geblättert (Wobei das Buch bloß ein Anlass war, über Grundsätzliches nachzudenken).
  2. Nachts, um ein Uhr, nach sinnlosem Websurfen, der Funke: “Thomas, was wäre, wenn du die Romanpersonen “Dagmar” und “Isabella” zusammenlegtest?”
  3. Erstes Gefühl: Klarheit. Die beiden waren ohnehin Zwillingssschwestern, und damit würde die ohnehin große Komplexität des Romans reduziert. Handlung und Charaktere werden wesentlich schärfer.
  4. Dann Erschütterung. Wie soll das sein? Die Mutter der herzkranken Angelika zur Mörderin von Timons Freundin machen?
  5. Und dann ging es los. Bis in den Morgen. Ich hörte Amy Macdonald (“Spark”)…

… immer und immer wieder. Ich beobachtete sie, wie sie auf den Steg ging, ihren Koffer abstellte, und alles ergab so viel Sinn in mir. Alte Fragen wie “Wovon lebt Dagmar?” und “Warum ist ihre Ehe gescheitert?” und “Was will sie?” und “Wie ist ihre Beziehung zur Mutter?” und “Wer sind die Opponenten im Kampf um das Violanum?” sind plötzlich von selbst beantwortet. Und Dagmars Handlungen – ich habe jetzt viel mehr Freiheit. Ich kann den Leser Dagmars Zerrissenheit spüren lassen:

  1. das so Fürsorgliche und Schützende einer Mutter mit schwerkrankem Kind
  2. der Berufsethos einer Krankenschwester
  3. die Vorbildwirkung der Krankenhausgründerin Viola (+1645)
  4. das Erbe ihres dominanten (verstorbenen) Großvaters, der Dagmars Mutter stets als schwach verachtet hat.

Ich sagte mir: “Thomas, was hast du da für ein Monstrum erschaffen?”

Ich antwortete: “Es ist immer schon hier gewesen. Bloß jetzt erst ist dein Blick frei.”

Gegen drei Uhr skizzierte ich eine Schlussszene zwischen Timon und Dagmar. Jetzt bin ich müde. Wie immer, wenn ich vor einer neuen Fassung meines Romans stehe.

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23. August 2010

Ich ziehe mich mal vom Schreiben zurück …

Roland B. Tobias: 20 Master Plots and how to build them

… und lese folgendes Buch und denke nach und gehe auf und ab und blättere und überlege und höre genau hin, was mir das Buch zu meinem Roman sagen will.

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