Mein erster Morgen
nach deinem Leben – hör doch,
das Nachbarskind lacht.
(Ich experimentiere gerade mit Haikus, die mein Protagonist für seine verstorbene Freundin schreibt)
Mein erster Morgen
nach deinem Leben – hör doch,
das Nachbarskind lacht.
(Ich experimentiere gerade mit Haikus, die mein Protagonist für seine verstorbene Freundin schreibt)
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Die Karpfen schlafen,
Das Wasser still geworden -
Da, horch, ein Kuckuck.
(Gonsui. Quelle: Haiku, Japanische Dreizeiler, Reclam. Seite 117)
Die Menschen schlafen,
Die Straßen still geworden -
Da, horch, ein Autor.
(Wollinger)
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Sitze im Glashaus,
und der Stein, den ich werfe
zersplittert am Glas.
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Sattgrüne Weite
mit Wiesen, Bäumen, Weizen.
Schau: grellrot der Mohn.
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Viel geschrieben heut’,
muss noch weiter, zu viel fehlt -
Leere weiße Wand.
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Grau ist der Himmel.
Plötzlich hell, es blendet mich
das gelbe Rapsfeld.
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Fahrt durch die Wachau.
Vor graugrünen Weinhügeln
strahlend Gelb: der Raps.
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Wie ein alter Frosch!
Es stürzt Basho sich hinein -
Nachhall des Wassers.
(Okay, ich konnte nicht widerstehen, mal am Klassiker zu spielen)
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Im Sommer zu hoch -
Diese Kirschen auf dem Baum.
Im Winter verdörrt.
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Pflanze beim Fenster
dich gieße ich mit der Kanne
fünf Tage zu spät.
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Wem nur mag ich denn
ähnlich sehen an diesem
ersten Tag des Jahrs?
(Basho. Hundertelf Haiku. Ammann Verlag 2009, Seite 119)
Wie nur wird Timon
schlussendlich sein, in diesem
ersten Romanteil?
(Wollinger)
[Timon heißt mein Protagonist, derzeit. Wer weiß, vielleicht heißt er später anders.]
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Am Kirschenbaum hängt
die Kinderschaukel im Wind.
Kein Bubenlachen.
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Der Literat raunzt.
Nicht betrübt genug ist er
um jetzt zu schreiben.
oder:
Vögel, seid still mit eurem Getue!
Sonne, zurück in deine Dunkelheit!
Menschen, hört mit dem Lachen auf!
Denn eure ganze Scheißeupheurie
und dieses verfluchte Liebeszeug
passt bei meinem Roman
erst ins übernächste Kapitel.
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Verliebter Autor
turtelt mit der Geliebten
anstatt zu schreiben.
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Ohne Stohhut gar
im winterlichen Regen,
was soll das, was soll’s?
(Bash?. Hunderelf Haiku. Ammann Verlag 2009, Seite 101)
Ohne Nachdenken
die Szene niederschreiben,
wird das was? Das wird’s!
(Wollinger)
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Krank auf der Reise.
Auf leeren Feldern der Traum
irrt ziellos umher.
(Basho. Hundertelf Haiku. Ammann Verlag 2009, Seite 101)
Lang auf der Reise.
Mein Traum auf windigem Feld
marschiert unbeirrt.
(Wollinger)
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