Ja, genau genommen – warum bei zwanzig- oder dreißigtausend aufhören? Wieso überhaupt noch schreiben? Warum kritzelt man nicht einfach einen Plot und ein paar Motive auf einen Briefumschlag und belässt es dabei? [...] Na los, Jungschriftsteller – gönnt euch doch mal einen Witz oder ein Adverb! Lasst euch nicht lumpen! Den Leser stört das nicht! Habt ihr euch mal angesehen, wie dick Bücher sind, die an Flughäfen verkauft werden? Die Menschen mögen das Überflüssige.
Aus: Nick Hornby: Mein Leben als Leser
“Gönnt euch doch mal ein Adverb!”
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Über Adjektive
Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist.
Georges Clemenceau, Journalist und Politiker, 1841 – 1929
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Spannungsbogen? Nur das nicht!
Ein Plot motiviert nicht einmal zum Weiterlesen. Ein Plot hindert den Leser lediglich am Aufhören. Der nicht ganz naheliegende, bei näherem Hinsehen jedoch zwingende Unterschied liegt in Folgendem: Wenn ein Leser weiterlesen möchte, dann liest er weiter, weil ihm das Buch gefällt. Wer hingegen einem Plot folgt, liest nicht deshalb weiter, weil ihn das Buch gerade jetzt, an der Stelle, die er liest, in sich hineinzieht, sondern weil er denkt, daß ihm das Buch gleich, sobald er diese Stelle hinter sich hat, gefallen wird; der Leser bekommt in jeder Zeile suggeriert, daß das Spannendste noch kommt. Die gerade gelesene Stelle erzeugt eine unerträgliche Spannung, der Moment ist nicht erfüllt, muß sich aber erfüllen, wenn die Zeit, die man dafür aufwendet, sich gelohnt haben soll. Der Leser wird durch das Versprechen einer Bedürfnisbefriedigung am Ende der Lektüre bei der Stange gehalten. Nicht weil ihm die Geschichte gefällt, liest er, sondern des Versprechens wegen.
Aus: Jagoda Marinic: Netzhaut
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Das Resumée ist tot. Es lebe der Elevator Pitch!
Eine berühmte Autorenfrage lautet: Wie schreibe ich ein Resumée?
Meine Einstellung dazu: Vergiss es. Du brauchst etwas, das den Lektor/Agenten hinter dem Ofen hervorholt. Einen Elevator Pitch.
Stellen wir uns vor, ich begegne einem Verleger in einem Lift. Ich habe ein paar Stockwerke Zeit, ihn zu überzeugen, mein Manuskript zu lesen – was sage ich ihm? (Oder meine ich, die Handlung meines Romans ist so vielschichtig, der kann ich in wenigen Worten nicht gerecht werden, und wir beide stehen also schweigend nebeneinander, bis der Verleger endlich aussteigt und ich mir nicht mehr überlegen muss, ob ich etwas sagen sollte?)
Eine E–Mail bietet heutzutage nicht mehr Chance als eine gemeinsame Liftfahrt:
Ich wache auf, wenn ich eine Mail von einer Autorin bekomme, die darauf verzichtet, mir Gebrauchs– und Interpretationsanweisungen für ihr Manuskript und ihr Leben anzubieten. Die stattdessen das Konzentrat ihrer Geschichte in 5 bis 10 Sätzen so dosiert, dass jeder davon unverzichtbar ist. Und die seltene Begierde erwecken, davon noch 1000 bis 10000 Sätze mehr lesen zu wollen.
(Christine Koschmieder, Literaturagentin, in: Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt Seite 112)
Ein Elevator Pitch ist schwierig. Er gelingt mir nicht beim ersten Mal. Auch nicht beim fünften Mal. Er ist der Prüfstein meiner Idee. Ob meine Idee trägt. Denn eine gute Idee lässt sich kurz und bündig vermitteln (was nicht heißt, dass alles, was bündig formulierbar ist, eine gute Idee darstellt). Ist der Elevator Pitch nicht mitreißend, kann das daran liegen, dass ich noch kein gutes Konzept meines Romans habe, dass ich das Wesentliche noch nicht spüre.
Ich teste meinen Elevator Pitch laufend bei Menschen, die mich noch nicht kennen und die mir mit den üblichen Fragen kommen (Und was machst du so? – Ich schreibe Romane. – Und was für Romane?). Wenn ich nachher mit geweiteten Augen angeschaut werde, wenn ich ein Das–Ist–Aber–Spannend höre, dann habe ich gewonnen. Wenn ich hingegen Fragen oder Zweifel sehe, dann habe ich ebenfalls gewonnen – nämlich die Chance, meinen Zugang zum Roman zu verbessern.
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Ein Lob für meinen Blog
Zu den Blogs, die mir auch sehr wichtig sind, ich schreibe meinen zwar nicht jeden Tag, soviel gibt es literarisch nicht zu berichten, aber doch fast und dann sehr lang und genau und diesen lese ich fast täglich, ist er doch sehr interessant und ziemlich einzigartig in der Blogszene und ich bedaure sehr, daß es ihn noch nicht vor dreißig Jahren gegeben hat, als ich zu schreiben begonnen habe und das, wie man das tut, noch ein sehr großes gut gehütetes Geheimnis war, die täglichen Tipps und Impressionen hätte ich damals sehr gebraucht, so denke ich, daß “Schreiben” für junge Autoren ein wahre Inspirationsquelle sein kann.
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Kurzkrimi
Manche Krimiautoren meinen, es genüge, ein Verbrechen, einen Ermittler und ein paar Verdächtige zu kombinieren, und schon habe man einen guten Text. Lieber werden Sachverhalte genannt, anstatt beim Leser Gefühle auszulösen. Stereotype werden genutzt, damit sich der Autor das Hinsehen erspart. Es wird wie wild zwischen Erzählperspektiven gewechselt, und es wird personifiziert, was das Zeug hält.
Bei der Kurzform des Krimis kommen literarische Schwächen verschärft zu Tage, denn da bleiben dem Autor nur wenig Worte, um irgendetwas zu bewirken.
Ich las Kurzkrimis immer gern. Wenn ich auf Besuch bei meiner Oma war. In der Illustrierten „Neue Post“ begutachtete ich zunächst die aktuellen Fotostrecken von Prinzessin Diana, überblätterte den „abgeschlossenen Roman“ (weil mir zu viele Seiten hatte), und dann kam der Kurzkrimi an die Reihe. Alles war binnen einer Seite gesagt. Und nach dem letzten Satz, rechts unten, war immer derselbe kleine Revolver abgebildet, sein Lauf nach links gerichtet. Die letzte Seite der “Neuen Post” war ganzseitige Werbung – manchmal wurde da ein Fernkurs angeboten, wo man lernen konnte, wie man Buch schrieb.
Folgenden Artikel fand ich in der Zeitung “Der Standard” – wohl eine Anspielung auf die laufende Kurzkrimi–Serie in „Die Presse“: (Hier weiterlesen)
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Creativity is the act of rebellion by definition
Creativity is the act of rebellion by definition. You have to be downright subversive to break the rules and to confront conventional wisdom, don’t you? And if everyone accepts what you are doing when you are doing it, you’re obviously not on the forefront and you are doing something that is within the paradigm. If every accepts what I am doing, I’m in the wrong field.
Allan Snyder
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Nur einen Roman braucht es, einen einzigen
Obwohl Salinger nur einen Roman, mehrere längere Erzählungen und 35 Kurzgeschichten geschrieben hat, gilt er bis heute als einer der meistgelesenen und meistbesprochenen amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit. Sein literarischer Mythos geht so weit, dass Kritiker ein ganzes Jahrzehnt der amerikanischen Literaturgeschichte – die Jahre von 1948 bis 1959 – als „Ära Salinger“ bezeichnet haben.
Quelle: Wikipedia
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“Auf gewisse Art muss ich alles neu erlernen.”
Wenn es mir richtig gut geht, fällt mir das Arbeiten schwer. […] Ich brauche immer ein gewisses Maß an Unruhe oder sogar Verzweiflung, bis ich in Gang komme und mich an die Arbeit mache. Wenn ich mich an einen Comic-Strip setze, dann kann ich nicht anders. Entweder weil ich Geld brauche – wie früher – oder weil ich etwas verarbeiten muss.
Dann muss ich das Rad neu erfinden. Ich durchlaufe meine Geburt, die Schulzeit, die Jahre der Therapie und meine jungen Jahre. Ich muss lernen, wie man einen Stift hält und welchen ich verwende. Welches Papier ich brauche. Wie groß ich zeichnen muss. Auf gewisse Art muss ich alles neu erlernen. Jeder Comic-Strip ist eine Art Neuerfindung, selbst wenn ich dazu dieselben Methoden anwende wie zuvor.
So arbeite ich eben.
Art Spiegelman, Schöpfer des Comics Maus – Die Geschichte eines Überlebenden, in einem Interview auf Arte TV, ausgestrahlt am 25.1.2010.
Für mich ist jeder Roman, jedes Kapitel ein Neuanfang. Immer wieder muss ich das Schreiben neu erlernen. So arbeite ich eben. Manchmal kann ich damit schon recht gut umgehen.
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Show, don’t tell oder: Plappermäulige Blicke
Philipp Bobrowski ist treffend in seinen Ansichten rund um Textqualität. Letztens las ich bei ihm etwas über plappermäulige Blicke:
Hoffend sah ich sie an. Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu und mir wurde ganz heiß.
In der Regel sagt so ein vielsagender Blick nur eines: Hier weiß jemand den Blick nicht zu deuten oder sich nicht auszudrücken. Im günstigsten Fall ist es die Figur, in den weitaus meisten Fällen ist es leider der Autor. Vor allem in den Texten von Schreibanfängern tummeln sich die vielsagenden Blicke an jeder Ecke. Dieses Geschnatter und Geplapper ist kaum auszuhalten. Mal ein vielsagender Blick wäre ja noch in Ordnung. Auf die Dauer kann man vom Autor aber durchaus verlangen, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben, einerseits der Abwechslung wegen, andererseits, weil ein Blick eben so viel mehr (und Subtileres) sagen kann als viel.
Übrigens sind tiefgründige Blicke meist nicht weniger oberflächlich. Und auch ein hintergründiges Lächeln sollte nicht ständig in den Vordergrund gerückt werden.
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“Ich würde ja auch gern einen Roman schreiben, aber mir fehlt die Zeit dazu.”
Philipp Bobrowski meint dazu:
Gerade Autoren, die schon ein Buch geschrieben haben, bekommen immer wieder zu hören: “Ich würde ja auch gern einen Roman schreiben, aber mir fehlt die Zeit dazu.”
Nun ist das für den Autor, der sich das anhören muss, nicht gerade schmeichelhaft, bedeutet es doch, er habe bis zu dem Zeitpunkt, an dem er mit dem Schreiben begonnen hat, offenbar nicht gewusst, wo er mit all seiner freien Zeit hinsollte. Dabei sind die meisten Autoren auf ein Haupt- oder wenigstens Nebeneinkommen angewiesen, das ihnen das Schreiben finanziert. Und selbst die, die erfolgreich genug sind, um vom Schreiben zu leben, waren das nicht von Anfang an. Tatsächlich gilt in diesem einen Fall, sofern es eben nicht nur so dahingesagt ist, die Antwort: “Wer wirklich will, der kann!”
Natürlich bedeutet das, dass man sich Zeit zum Schreiben eventuell erst freischaufeln, organisieren muss, und es bedeutet noch mehr, dass man in dieser Zeit auch regelmäßig schreiben muss. Organisation und Disziplin sind also gefragt. Doch wenn man nur jeden Tag eine Seite schreibt, hat man nach einem Jahr einen 365 Seiten starken Roman.
Vielleicht gilt es, täglich eine Stunde früher aufzustehen oder eine Stunde später ins Bett zu gehen. Möglicherweise muss man eine der bisherigen Freizeitbeschäftigungen einschränken oder ihr für eine Weile ganz entsagen. Oder man steigt für den täglichen Weg zur Arbeit auf öffentliche Verkehrsmittel um und nutzt die Fahrzeiten, um zu schreiben.
Es wird keiner bestreiten, dass die individuellen Rahmenbedingungen, um einen Roman zu schreiben, für den einen weniger optimal sind als für den anderen. Doch mit dem nötigen Ehrgeiz, der für ein solches Projekt ohnehin vonnöten ist, sollte es jedem möglich sein, sich etwas Zeit zu erplanen. Die wirklichen Probleme, die einen Romanschreiber erwarten, liegen meist erst dahinter.
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Die Freude des Schriftstellers – Teil II
Wenn draußen einer ist, der Freude mit dem hat, was ich schreibe, dann freut mich das schon. Das macht viel Mühe wieder wett.
2005. In meinem Postkasten ein Paket, darin ein Exemplar von Die Archäologin. Mein erster Gedanke: Jemandem hat mein Roman nicht gefallen, der schickt ihn mir zurück! Aber da ist noch ein Brief …

Brief eines Lesers von "Die Archäologin" vom 14.1.2005
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Die geförderte Jungautorin. Ein Archetyp aus dem Literaturbetrieb.
Sie ist jünger als 25. Sie schreibt Gedichte und Kurzgeschichten. Sie hat mindestens einen Literaturpreis oder ein Stipendium gewonnen. Ihr wird in Kritiken und Laudationes viel Potential attestiert.
Sie hat einen Förderer, einen älteren Mann aus dem Literaturbetrieb (Einen Schriftsteller? Einen Kulturjournalisten? Einen Literaturkritiker? Den Herausgeber einer Literaturzeitschrift?). Ihre Texte werden öfters in Literaturzeitschriften veröffentlicht, manchmal in Anthologien.
Ihre Kurzgeschichten sind melancholisch; sie handeln von Suchenden, die etwas wollen aber sich dann doch nicht recht trauen. Meist geht es um junge Frauen, die in wortarmen Beziehungen feststecken. Ihr Alltag wird aufgezeigt, zwischen Supermarkt, Universität, Gedankenwelt und unterbezahltem Bürojob. Am Ende bleiben die Sehnsüchte ungestillt, und die Personen haben sich nicht weiterentwickelt.
Manchmal versucht sie, einen Roman zu schreiben. Meistens schreibt sie Gedichte.
(Vergleiche dazu Typisch: Die junge Schriftstellerin auf faz.net)
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Schreiben wie essen
Bei mir ist es wie bei vielen anderen Autoren: Wenn ich nicht schreibe, ist es, wie wenn ich nichts esse. Ich muss jeden Tag schreiben, sonst gehe ich ein, und ich tue es ungefähr seit meinem sechsten Lebensjahr, also seit ich schreiben kann. [...]
Ich merke, dass meine psychische Verfassung vom Schreiben abhängt. Ob das Schreiben dann gelingt oder nicht, ist eine andere Frage. Damit ich mich gut fühle, muss es nicht gelingen, ich muss es aber tun. [...]
Ich empfinde die Dinge, über die ich schreibe, sehr stark. [...] bei mir ist das Schreiben ein emotionaler Akt.
Jens Petersen, Gewinner des Bachmann-Preises 2009
(Danke an Anni Bürkl, über ihren Blog habe ich dieses Zitat entdeckt)
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Das vorrangige Ziel des Schriftstellers
Nicht was er schreibt, ist das vorrangige Ziel des Schriftstellers. Sein vorrangiges Bedürfnis ist das Schreiben.
Schreiben heißt, sich von der Welt und von sich selbst absentieren, um möglicherweise daraus den Stoff für literarische Bearbeitungen zu machen.
Die Frage nach dem behandelten “Thema” stellt sich erst in zweiter Linie.
André Gorz, Brief an D.
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Einen Schriftsteller lieben heißt …
Du hast Dich, wie Du sagtest, mit jemandem vereint, der nicht leben konnte, ohne zu schreiben, und Du wusstest, dass jemand, der Schriftsteller sein will, die Möglichkeit haben muss, sich zurückzuziehen, zu jeder Tages und Nachtzeit Notizen zu machen; dass seine Arbeit an der Sprache sich noch lange, nachdem er den Stift weggelegt hat, fortsetzt und plötzlich, mitten in einer Mahlzeit oder einer Unterhaltung, von ihm Besitz ergreifen kann. [...]
Einen Schriftsteller lieben heißt lieben, dass er schreibt, sagtest Du. “Also schreib!”
André Gorz, Brief an D.
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