Artikel zum Schlagwort “Schreibtipps”

1. September 2010

Warum ein Handlungsmuster?

Ich übersetze für mich den Begriff “Master Plot” mit “Handlungsmuster”. Es beschreibt nicht meine Handlung, aber identifiziert ein Muster, dem meine Handlung – mit einem bestimmten Anteil – folgt. Und hilft mir, Arbeit zu sparen, weil ich auf Erfahrung von Autorengenerationen zurückgreifen kann.

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(Quelle: Roland B. Tobias: 20 Master Plots and how to build them)

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19. August 2010

kAMPF gegen die unsägliche tASTE gewonnen

Meine Laptoptastatur

Meine Laptoptastatur

dAMIT MEINE wORTE nie wieder so aussehen, bloß weil ich versehentlich diese eine Taste ganz links berührt habe, bin ich mich nun – nach 10 Jahren literarischer Erfahrung – auf die Idee gekommen, diese unnötige Taste einfach auszuschalten.

Bei Windows geht das durch bloßes Einfügens eines Eintrags in der Registry des Betriebssystems. Da ich das selbst nicht machen wollte – damit ich mir nichts kaputt mache – habe ich es mit diesem Programm getan (dieses .zip enthält Software sowohl zum Deaktivieren, als auch zum Reaktivieren dieser Taste für Windows XP).

Beachte die abgenutzten Tasten auf dem Foto … denn offenbar berühre ich die Tasten A und S mit dem Fingernagel des linken Mittelfingers, und die Strg-Taste mit dem Nagel des linken kleinen Fingers, also von wegen Tippen im 10-Finger-System.

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2. August 2010

Spannungsbogen? Nur das nicht!

Ein Plot motiviert nicht einmal zum Weiterlesen. Ein Plot hindert den Leser lediglich am Aufhören. Der nicht ganz naheliegende, bei näherem Hinsehen jedoch zwingende Unterschied liegt in Folgendem: Wenn ein Leser weiterlesen möchte, dann liest er weiter, weil ihm das Buch gefällt. Wer hingegen einem Plot folgt, liest nicht deshalb weiter, weil ihn das Buch gerade jetzt, an der Stelle, die er liest, in sich hineinzieht, sondern weil er denkt, daß ihm das Buch gleich, sobald er diese Stelle hinter sich hat, gefallen wird; der Leser bekommt in jeder Zeile suggeriert, daß das Spannendste noch kommt. Die gerade gelesene Stelle erzeugt eine unerträgliche Spannung, der Moment ist nicht erfüllt, muß sich aber erfüllen, wenn die Zeit, die man dafür aufwendet, sich gelohnt haben soll. Der Leser wird durch das Versprechen einer Bedürfnisbefriedigung am Ende der Lektüre bei der Stange gehalten. Nicht weil ihm die Geschichte gefällt, liest er, sondern des Versprechens wegen.

Aus: Jagoda Marinic: Netzhaut

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1. August 2010

Spannungsbogen

Werden dem Leser Ereignisse versprochen, ist er bereit abzuwarten, und jeder Hinweis, dass bald etwas passieren könnte, erhöht seine Bereitschaft. Damit entsteht Spannung.

Beispiel 1: Ein Paar frühstückt. Er sagt, dass er erst um zehn in der Arbeit sein muss. Sie meint, da könnte er sie doch zum Friseurtermin fahren. Er will nicht. Sie drängt ihn.

… banal?

Beispiel 2: Im Keller eines Hauses ist eine Bombe. Der Zeitzünder ist auf 9:30 eingestellt. Vier Meter über dem Keller: Ein Paar frühstückt. Er sagt, dass er erst um zehn in der Arbeit sein muss. Sie meint, da könnte er sie doch zum Friseurtermin fahren. Er will nicht. Sie drängt ihn.

… nun ist dasselbe anders, irgendwie.

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31. Juli 2010

Das Resumée ist tot. Es lebe der Elevator Pitch!

Eine berühmte Autorenfrage lautet: Wie schreibe ich ein Resumée?

Meine Einstellung dazu: Vergiss es. Du brauchst etwas, das den Lektor/Agenten hinter dem Ofen hervorholt. Einen Elevator Pitch.

Stellen wir uns vor, ich begegne einem Verleger in einem Lift. Ich habe ein paar Stockwerke Zeit, ihn zu überzeugen, mein Manuskript zu lesen – was sage ich ihm? (Oder meine ich, die Handlung meines Romans ist so vielschichtig, der kann ich in wenigen Worten nicht gerecht werden, und wir beide stehen also schweigend nebeneinander, bis der Verleger endlich aussteigt und ich mir nicht mehr überlegen muss, ob ich etwas sagen sollte?)

Eine E–Mail bietet heutzutage nicht mehr Chance als eine gemeinsame Liftfahrt:

Ich wache auf, wenn ich eine Mail von einer Autorin bekomme, die darauf verzichtet, mir Gebrauchs– und Interpretationsanweisungen für ihr Manuskript und ihr Leben anzubieten. Die stattdessen das Konzentrat ihrer Geschichte in 5 bis 10 Sätzen so dosiert, dass jeder davon unverzichtbar ist. Und die seltene Begierde erwecken, davon noch 1000 bis 10000 Sätze mehr lesen zu wollen.

(Christine Koschmieder, Literaturagentin, in: Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt Seite 112)

Ein Elevator Pitch ist schwierig. Er gelingt mir nicht beim ersten Mal. Auch nicht beim fünften Mal. Er ist der Prüfstein meiner Idee. Ob meine Idee trägt. Denn eine gute Idee lässt sich kurz und bündig vermitteln (was nicht heißt, dass alles, was bündig formulierbar ist, eine gute Idee darstellt). Ist der Elevator Pitch nicht mitreißend, kann das daran liegen, dass ich noch kein gutes Konzept meines Romans habe, dass ich das Wesentliche noch nicht spüre.

Ich teste meinen Elevator Pitch laufend bei Menschen, die mich noch nicht kennen und die mir mit den üblichen Fragen kommen (Und was machst du so? – Ich schreibe Romane. – Und was für Romane?). Wenn ich nachher mit geweiteten Augen angeschaut werde, wenn ich ein Das–Ist–Aber–Spannend höre, dann habe ich gewonnen. Wenn ich hingegen Fragen oder Zweifel sehe, dann habe ich ebenfalls gewonnen – nämlich die Chance, meinen Zugang zum Roman zu verbessern.

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13. Mai 2010

Die Zwillinge: Schreibblockade und Schreibzwang

Bis zu diesem Blogeintrag hier und jetzt habe ich mich immer dagegen verwehrt, eine Schreibblockade zu haben. Denn ich sagte mir: Ich habe so viele Ideen! Es geht nicht darum, was ich schreiben soll, sondern bloß, wie ich es schreiben soll. Und soeben habe ich in Wikipedia nachgeschlagen. Und … uuups!

Eine Schreibblockade kann verschiedene unterschiedlich schwerwiegende Erscheinungsformen haben. Manchen Betroffenen fällt es nur schwer, einen Anfang zu finden, andere quälen sich Wort für Wort durch ihre Texte, während ihnen eine mündliche Wiedergabe des Inhalts nicht schwer fällt.

Besonders entlarvend, dass sie die Vermeidungstaktiken erwähnen. Insbesondere dass Recherche eine Flucht vor dem Schreiben ist! Wikipedia schaut mir mitten ins Herz:

Die Betroffenen neigen häufig dazu, sogenannte Vermeidungshandlungen durchzuführen, sich also mit derzeit weniger wichtigen Tätigkeiten abzulenken, wie exzessives Aufräumen, Sortieren oder Putzen. Auch das endlose Weitersammeln und Suchen von neuem Material kann eine solche Vermeidungstaktik sein.

Was nachher passiert? Aus den Tiefen schieße ich empor in windige Höhen – Wikipedia beschreibt auch jene Momente:

Das Gegenstück zur Schreibblockade ist der Schreibzwang oder die Schreibwut, eventuell können beide Phänomene aber auch gleichzeitig auftreten, wobei allerdings die Schreibblockade häufig im allgemeinen Rahmen auftritt, d. h. jeder kann eine erleiden, aber die anderen beiden genannten treten häufig nur bei schriftstellerisch Ambitionierten auf, welche es als Talent und nicht als Schwäche in dem Sinne erleben.

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12. Mai 2010

Mein neues Paradigma: Autobiografisch

Das Resultat meiner letzten Krise ist, dass ich anders an meinen Roman herangehe: Ich werde radikal autobiografisch. Nicht, weil mein Leben so toll ist, sondern weil ich mir das Schreiben erleichtern muss, um vorwärts zu kommen.

Je mehr ich frei erfinden muss, umso anstrengender ist es, die Zusammenhänge schlüssig zu halten. Nein, die Handlung bleibt gleich. Es geht vielmehr um die Gestaltung der Personen und ihrer Hintergründe. Insbesondere des Protagonisten Timon. Während alle anderen Personen griffig waren, war Timon bisher emotional so unklar.

Ein Beispiel: Timon hat eine Ursprungsfamilie. Die kommt zwar nicht oft vor, aber sie ist da. Und Timons Wesen wird von seiner Familie geprägt, na klar, wie bei jedem von uns. Also: Wer ist sein Vater, wie ist seine Mutter? Weglassen kann ich sie nicht, zumindest ich als Autor muss das grobe Umfeld kennen, in dem Timon aufgewachsen ist. Da kann ich doch gleich meine Familie hernehmen! Die kenne ich, es ist keine schlechte Familie, und es geht ja auch nicht hauptsächlich um sie. Ebenso Alter und beruflicher Werdegang des Timon. Sein Job als Informatiker. Seine Wohnung. Und so weiter.

Weiteres Beispiel: Wie sollte Timon seiner Sophie, einer Archäologin, begegnet sein? Mich an mein autobiographisches Paradigma haltend ist es es sonnenklar: Timon ist auch Romanautor. Sein erster Roman heißt “Die Archäologin”, und bei seinen Arbeiten zum Nachfolgeroman recherchiert er in den Büros der Anthropologie im Naturhistorischen Museum. – Und somit wieder etwas, was ich kaum erfinden muss. Ich ergänze es um ein wenig Dazuerfundenes: Dort begegnet ihm Sophie, die ja schließlich Archäologin ist und sich quasi aus beruflicher Notwendigkeit dort bewegt. Nebeneffekt: Timon und Sophie haben das Interesse für Archäologie gemein, als Startpunkt der Beziehung.

Das heißt, Wesenszüge und Vergangenheit meines Timons sind meine, außer, die Handlung schreibt ausdrücklich etwas anderes vor. Im Zweifel wird Autobiografisches genutzt.

Die Romanhandlung bleibt wie sie ist. Auch die Romanpersonen bleiben. Durch das Nutzen meiner Biographie ergibt sich Schlüssigkeit und Glaubwürdigkeit von selbst. Ich reduziere die Komplexität und gewinne an Geschwindigkeit.

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14. April 2010

Die dritte Wahrheit oder: Jedes literarische Problem hat eine Lösung!

Die dritte der vier Wahrheiten Buddhas ist meine Lieblingswahrheit.
Sie besagt, dass es eine Heilung von den Leiden gibt:

Dies, ihr Mönche, ist die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens. Es ist das gänzliche Vergehen jenes Begehrens, die Entsagung, das Verlassen, das Freiwerden, das sich Abwenden vom Begehren.

(Damien Keown: Der Buddhismus. Eine kurze Einführung. Reclam 2001, Seite 68)

Buddha sagt hier nicht, wie die Heilung erreicht werden kann. Oder was zu tun ist. Bloß: es gibt sie.

Für mein Leben als Literat umgemünzt heißt das: “Es gibt eine Lösung für mein aktuelles literarisches Problem.”

Wie die Lösung lautet? Darum geht es nicht! Sondern darum, dass ich die Gewissheit spüre, es überhaupt eine Lösung gibt. Wenn ich diese Gewissheit nicht spüre, bin ich nicht offen für eine Lösung. Wenn ich die Gewissheit spüre, dann kommt die Lösung.

Darum: Wenn ich eine harte literarische Nuss zu knacken habe, zuerst mir klar zu machen, dass ich sie knacken kann. Mich in das Gefühl versetzten, ich hätte sie geknackt. Dann wird es mir gelingen. Hat bisher immer geklappt.

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6. März 2010

Informationen nicht auf einmal preisgeben

Angelika ist a) herzkrank, weil sie b) mit vier eine Chemotherapie hatte. Nun braucht sie c) eine Transplantation und d) verweigert diese.

In einer früheren Fassung erfuhr der Leser all das von Angelikas Mutter binnen einer Buchseite.

Damit vergebe ich mir 1) Spannungspotential. Zudem könnte ich 2) emotionsbehaftete Informationen von verschiedenen Personen übermitteln lassen und damit diese Personen durch die Extremsituation plastisch machen.

Nun habe ich vier Szenen:

  • Angelikas Mutter berichtet, dass Angelika herzkrank ist.
    Spannungsbogen: Hoffentlich nichts ernstes!
  • Angelikas Tante sagt, dass Angelika eine Transplantation braucht.
    Spannungsbogen: Wird die Operation gut gehen?
  • Angelikas Mutter sagt, dass sie Angst hat. Weil sich Angelika nicht operieren lassen will.
    Dramatische Frage: Warum will sich Angelika nicht operieren lassen?
  • Angelika sagt, weshalb sie die Operation verweigert; sie erzählt von der traumatischen Chemo.
    Dramatische Frage: Kann man sie umstimmen?

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27. Februar 2010

Fallhöhe

Theater im Stockwerk Probe

Fallhöhe

… ist ein Begriff, den ich von den Kollegen des Theaters im Stockwerk gelernt habe:

Fallhöhe ist das, was eine Person zu verlieren hat, sollte ein bestimmtes Ereignis eintreten. Klassisches Beispiel: Ein Mensch, der in das Gefängnis muss, wenn seine Hochstapelei auffliegt.

GRAUKO schreibt eben ein Theaterstück, und nach dem ersten Entwurf kam von den Theaterkollegen der Wunsch, die Fallhöhe der Hauptperson zu vergrößern. Um die Spannung zu steigern. Klassisches Beispiel: Der Hochstapler von vorhin, der jemanden umbringt, um sein Geheimnis zu vertuschen. Und nun als Mörder gejagt wird.

Die Fallhöhe ist ein Hilfsmittel, um einen Spannungsbogen zu erzeugen und zu halten.

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8. Februar 2010

Zyklische Fragen oder: Ein Trick, um aus dem Scheibloch zu kommen

Nun ist es also soweit. Mein Magen. Stresssymptome. Mein Literatenkörper gibt mir zu verstehen: so soll es nicht weiter gehen.

Der Gedanke, nicht schreiben zu können, hat dieselben Auswirkungen wie der Moment, in dem ich mich vor meine Word-Datei setze und vergeblich den geeigneten Einstiegspunkt suche.

Jetzt muss ich Abstand gewinnen. Klarheit schaffen. Indem ich mein Vorgehen strukturiere. Und darüber in diesem Blog schreibe.

Meine Aufgabe: Angelika (12) verkündet ihrer Familie, sich keiner Herzptransplantation zu unterziehen. Beschreibe dieses Ereignis, seine Folgen und Reaktionen aller Betroffenen.

Randbedingungen:  (1) Mein Protagonist Timon ist bei diesem Gespräch nicht dabei. (2) Die Persönlichkeiten von Timons Umfeld sind zeigen.

Meine Frage (die mir Bauchweh macht): Und wie verdammt nochmal mache ich das?

Heute war ein unruhiger Tag. Hin- und hergedacht. Diese und jene Kleinigkeit gemacht. Nachgedacht und müde gewesen. Und dann mein Trick:

Stell dir vor, Thomas, ein befreundeter Literat hätte ebendiese Aufgabe  zu lösen. Er wendet sich an dich und bittet dich um einen Rat. Was würdest du ihm raten?

Was ich ihm sagen würde? Ist doch sonnenklar! Schreibe für jede Person aus Angelikas Umfeld eine Szene. Darin eröffnete diese Person ihre Sichtweise. 5 Personen, 5 Szenen. Plus eine Szene mit Angelika. Weitere Szenen werden sich wie von selbst ergeben.

Ich glaube, ich hab’s.

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3. Februar 2010

Wenn ich vom Roman erzähle, arbeite ich am Roman

Wenn ich über meine Romanpersonen rede, dann erschaffe ich sie dadurch (konstituierende Wirkung des Aussprechens). Letztens habe ich von Angelika erzählt. Und meine Gedanken zu ihr konnte ich nicht gut vermitteln. Und wenn ich eine Idee nicht vermitteln kann, liegt es womöglich daran, dass die Idee gar nicht so gut ist.

Wie ich letztens ihre Persönlichkeitsstruktur beschrieben habe, finde ich heute gar nicht mehr gut.

Viel besser: Es verweigert seine Herztransplantation, weil es nicht mehr leiden, passiv, gezwungen sein will. Weil es leben, aktiv, selbstbestimmt sein will. Weil es durch das Chemotrauma seiner Kindheit resilent geworden ist.

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1. Februar 2010

Romanperson wegkürzen

Das liebste Kürzen ist, wenn ich kürze, bevor ich noch etwas geschrieben habe. Sprich, wenn ich mein Konzept vereinfache. So geschehen letztens mit einer Romanperson – eine, die ich mochte, die eines meiner großen Themen widerspiegelte. Ich habe sie folgendermaßen hinterfragt:

  1. Wenn diese Person im Roman fehlt, was fehlt dann dem Roman?
    (Diese Frage ergibt Handlungsstränge, Konflikte, Charaktereigenschaften)
  2. Welche dieser Handlungsstränge / Konflikte / Charaktereigenschaften sind nötig? (Mit “nötig” meine ich “nötig, damit der Roman sein Wesen behält” und nicht “interessant” oder “spannend”)
  3. Welchen anderen Personen kann ich diese nötigen Handlungsstränge / Konflikte / Charaktereigenschaften umhängen?

Das Zusammenlegen von Personen zu einer führt zu einer Verdichtung der Handlung und der Konflikte. Grundsätzlich sollte man mit möglichst wenig Personen auskommen. Bei mir sind es nun neun lebende und acht tote.Allesamt namentlich bekannt und wichtig.

Siebzehn ist eine ganze Menge. Nun, es ist ja auch ein großer Roman.

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30. Januar 2010

Show, don’t tell oder: Plappermäulige Blicke

Philipp Bobrowski ist treffend in seinen Ansichten rund um Textqualität.  Letztens las ich bei ihm etwas über plappermäulige Blicke:

Hoffend sah ich sie an. Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu und mir wurde ganz heiß.

In der Regel sagt so ein vielsagender Blick nur eines: Hier weiß jemand den Blick nicht zu deuten oder sich nicht auszudrücken. Im günstigsten Fall ist es die Figur, in den weitaus meisten Fällen ist es leider der Autor. Vor allem in den Texten von Schreibanfängern tummeln sich die vielsagenden Blicke an jeder Ecke. Dieses Geschnatter und Geplapper ist kaum auszuhalten. Mal ein vielsagender Blick wäre ja noch in Ordnung. Auf die Dauer kann man vom Autor aber durchaus verlangen, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben, einerseits der Abwechslung wegen, andererseits, weil ein Blick eben so viel mehr (und Subtileres) sagen kann als viel.

Übrigens sind tiefgründige Blicke meist nicht weniger oberflächlich. Und auch ein hintergründiges Lächeln sollte nicht ständig in den Vordergrund gerückt werden.

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27. Januar 2010

Der Roman ist futsch oder: Ein Königreich für eine Sicherungskopie!

Gehe immer davon aus, dass dein Computer heute das letzte Mal funktioniert hat.

So ist es. Computer sterben. Es geschieht meist plötzlich. So dass du keine Chance hast, deinen Roman und eure Fotos zu retten. In der Computerbranche weiß jeder über Ausfallswahrscheinlichkeiten der Geräte Bescheid (nicht umsonst haben gibt es Ausfallsrechenzentren), doch unter Literaten gehört das nicht zum verbreiteten Wissen.

Jede Datei, die wichtig ist, muss zumindest auf zwei voneinander unabhängigen Geräten abgespeichert sein.

Diese beiden Geräte können etwa Laptop + externe Festplatte sein, oder Laptop + USB-Stick (Wenn ihr unterwegs sind, dann, bitte, steckt nicht beides in dieselbe Tasche – für den Fall, dass euch diese Tasche abhanden kommt). Oder ihr schickt die Dateien einem Freund. Oder, wenn ihr keinen Freund habt, dann schickt die Dateien an euren Webmail-Account und lasst sie dort im Posteingang liegen.

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23. Januar 2010

Richtig trauern oder: Fernsehverbot nach Kübler-Ross

Jeder geht mit Trauer und Verlust anders um, klar. Doch wenn ich einen Charakter baue, der dann orientiere ich mich vorerst am jeweils gängigen Verhalten. Später erst konstruiere ich mir aus diesem Üblichen das ganz Spezifische meiner Romanpersonen – indem ich es mit meinen eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen vermenge.

Eine gute Quelle ist Kübler-Ross. Sie geht auf das Sterben aus der Sicht des Sterbenden ein und sieht folgende Verhaltensweisen (die nicht in dieser Reihenfolge passieren müssen):

1) Nichtwahrhabenwollen und Isolierung
2) Zorn
3) Verhandeln
4) Depression
5) Akzeptanz

Es muss ja auch nicht immer ums Sterben gehen – ähnliche Verhaltensmuster eröffnen sich mir bei Alltäglichkeiten, etwa, wenn ich meinem Kind das Fernsehen verbiete – dann macht es auch solche Phasen durch, manchmal innerhalb weniger Minuten :-)

Die Kübler-Ross’schen Verhaltensweisen lassen sich gut auf andere Verluste ummünzen. Im Roman kann ich diese Verhaltensweisen einer Person, aber auch unterschiedlichen Romanpersonen zuordnen; ich kann die Personen zwischen Verhaltensweisen hin- und herspringen lassen. Das macht deutlich, in welcher Ausnahmesituation sich die Personen befinden.

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